Blogtour Also nachm Regenbogen um sechs Uhr abends

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Gestern habt ihr schon einiges über das Buch erfahren, heute schauen wir uns an, was die Krankheit Demenz bedeutet. Deswegen schauen wir uns die Erkrankung mal genauer an.


Meine eigenen Erfahrung mit Demenz:

Ich selber arbeite in der Pflege und habe da oft mit Menschen zu tun, die an Demenz erkrankt sind. Für die Angehörigen und auch den Patienten selber ist es keine leichte Erkrankung, da es im komplette Umfeld Auswirkungen hat. Es fängt mit kleinen Sachen an, wie das man vergisst wo man den Schlüssel hingelegt hat, und endet darin das man sogar noch nicht mal mehr seine eigene Familie erkennt. Egal in welchen Bereich der Patient ist, es ist immer schwer für die Angehörigen und auch für das Umfeld mit diesen Veränderungen umzugehen.

Auch ich wurde wie oben schon erwähnt schon mehrfach mit dieser Krankheit konfrontiert und muss auch sagen, dass es für mich auch nicht immer leicht ist. Jeder Alzheimer Patient ist anders, es gibt welche, die super lieb sind und einfach nur vergessen wo sie ihre Sache hingelegt haben. Es gibt aber auch Patienten, die agressiv werden. Gerade diese Patienten sind schwer zu handhaben, aber man darf ihnen nicht böse sein, weil sie können sich daran meist nach wenigen Minuten nicht mehr erinnern. Man muss sich immer vor Augen halten, das dieser Mensch krank ist.


Kommen wir nun erstmal zur Erkrankung selbst:

Was ist Demenz?

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an einer Demenz. Sie gehört zu den häufigsten Krankheitssyndromen im Alter. Im Verlauf kommt es zu einem Abbau des Gedächtnisses, der mit Störungen in verschiedenen Bereichen (z. B. Denkfähigkeit, Orientierung, Sprache, Verhalten) einhergeht.

Nur vergesslich oder schon dement?

Jeder von uns hat schon mal vergessen wo sein Handy liegt oder den Autoschlüssel verlegt. Gerade in solchen Situationen fragen sich oft ältere Menschen ob sie an Demenz erkrankt sind. Wichtig ist vergesslich sein kann jedem passieren und ist nicht immer ein Vorbote für Demenz. Erst wenn es immer öfter vorkommt, dass man etwas vergisst und man trotz Nachdenken sich nicht erinnern kann sollt man es bei einem Arzt untersuchen lassen.

Wissenswert: Demenzkranke vergessen nicht nur Details, sondern ganze Vorgänge und Abläufe. Ihnen fällt es immer schwerer, alltägliche Dinge zu erledigen und sich in ihrem eigentlich bekannten Umfeld zu orientieren.

Definition zu Demenz:

Demenz bedeutet sinngemäß „ohne Geist“. Definiert sind Demenzerkrankungen durch den Abbau geistiger Funktionen, die dazu führen, dasd der Altag nicht mehr bewältigt werden kann.Zusätzlich zu den geistigen Fähigkeiten können auch Orientierungs- und Sprachprobleme auftretten, sowie Änderungen des Verhaltens und der Persönlichkeit können bei Patienten sichtbar werden.

Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?

Alzheimer und Demenz ist nicht das selbe! Demenz ist der Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit Verlust von geistigen Funktionen einhergeht.

Welche Demenz-Formen gibt es?

Demenz-Formen und ihre Verbreitung

  • Alzheimer-Demenz: ca. 60 %
  • Vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz: ca. 15 %
  • Mischform: Alzheimer und Vaskuläre Demenz: ca. 15 %
  • Weitere Demenzformen (ca. 10 %): z. B. Lewy-Körperchen-Demenz, Parkinson-Demenz, frontotemporale Demenz, medikamentös bedingte Demenz, stoffwechselbedingte Demenz, Demenz infolge eines Schädel-Hirn-Traumas

Wann tritt Demenz auf?

Auch wenn es einige wenige Demenz-Formen gibt, die auch in jüngeren Jahren auftreten können, so gilt Demenz im Allgemeinen als Erkrankung des Alters. Das machen auch diese Zahlen deutlich:

AltersgruppeAnteil der Demenzkranken
65- bis 69-Jährige1,2 %
80- bis 84-Jährige13,3 %
Über 90-Jährige35 %

Neben dem Alter zählen jedoch auch das weibliche Geschlecht, die Erbanlagen oder bestimmte Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck zu den Risikofaktoren für Demenz.

Wie wird Demenz festgestellt?

Folgende Test bzw. Untersuchungen können angewendet werden:

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte): Welche Symptome treten auf? Wann das erste mal? Welche Medikamente werden eingenommen? Gibt es Demenzerkrankungen in der Familie? Etc.
  • Körperliche Untersuchung: Blutdruck, Puls, Urin, Blut
  • Neuropsychologische Tests: Untersuchung der geistigen Fähigkeiten, z.B. Kurz- und Langzeitgedächnis, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, zeitliche und räumliche Orientierung. (hier findet ihr ein Ablauf eines solchen Tests: Mini-Mental-Status-Test)
  • Blutuntersuchung und Liquordiagnostik : Stoffwechselerkrankung können zu Demenz führen
  • MRT und CT: Infarkte, Blutungen, Tumore oder eine Schrumpfung bestimmter Abschnitte im Gehirn.

Was sind Ursachen von Demenz?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die als Auslöser einer Demenz in Frage kommen

Häufige Ursachen für Demenz

  • Neurodegenerative Erkrankungen
    z. B. Alzheimer-Krankheit, Lewy-Körperchen-Krankheit, Erkrankungen des Stirnhirns (Frontotemporale Degenerationen)
  • Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns.
    führen zur sogenannten vaskulären Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn gekennzeichnet ist.

Seltenere Ursachen für Demenz

  • Neurologische Erkrankungen (z. B. Parkinson)
  • Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes mellitus)
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
  • Infektionen
  • Medikamente (z. B. Antidepressiva, Neuroleptika)
  • Tumore
  • Blutungen
  • Vitaminmangel
  • Hormonmangel
  • Abflussbehinderungen des Nervenwassers im Gehirn (Liquor)

Kann man Demenz beheben?

Es gibt einige Auslöser für Gedächnisprobleme, die sich rückgängig machen lassen, z.B.

  • Depressionen
  • Hirnblutung
  • Tumore, wenn ise entfernt werden können
  • Infektionen des Gehirns
  • Vitaminmangel
  • Hormonmangel
  • Medikamente

Welche Symptome tretten bei Demenz auf?

Typisches Merkmal der Erkrankung ist, dass sich ein Muster aus verschiedenen Symptomen zeigt.

Symptome im Überblick

  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen
  • Sprachprobleme
  • Orientierungsprobleme
  • Stimmungsschwankungen
  • Änderung des Verhaltens und der Persönlichkeit

Als weitere Symptome können zum Beispiel Schlafstörungen und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, Appetit- und Essstörungen sowie Schluckstörungen und speziell im späten Stadium auch Inkontinenz auftreten. Typisch ist auch, dass Demenzpatienten ruhelos umhergehen (sogenanntes „Wandering“).

Was sind die Risikofaktoren?

Wenn man danach geht was man bis heute über die Demenzkrankheit herrausgefunden hat, unterscheidet man zwischen beinflussbaren und nicht beinflussbaren Risikofaktoren.

  • Höheres Lebensalter
  • Weibliches Geschlecht
  • Erbanlagen
  • Geringe geistige Aktivität und wenig Sozialkontakte
  • Schädel-Hirn-Verletzung
  • Neurologische Erkrankungen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörung
  • Diabetes
  • starkes Übergewicht
  • Rauchen

Wie ist der Verlauf von Demenzerkrankung?

Es gibt bei dieser Krankheit von Patient zu Patient unterschiedliche Verläufe, allerdings sind die meisten Demenzformen fortschreitend.

Wie ist die Behandlung bei Demenz?

Die Therapie ziehlt immer darauf ab, die Symptome und die Alltagsfähigkeit zu verbesser oder zeitweise zu stabilisieren. Welche Therapie dabei eingesetzt wird ist von Patient zu Patient unterschiedlich, da man die Ursache, das Stadium und den Verlauf mit beachten muss. Allerdings sind die meisten Formen der Demenz nicht heilbar. Die Behandlung baut auf drei Säulen auf:

  1. Behebbare Ursachen behandeln
  2. Medikamente
  3. Weiter Therapien wie Ergotherpaie, Gedächnistraining, Musiktherapie, etc.

Ich hoffe ihr habt einen Einblick bekommen in die Krankheit. Klar war es ein langer Bericht mit vielen Infos, aber ich finde, dass man einen Bericht über so einen Krankheit nicht kürzer schreiben kann bzw. sollte da es zu viele wichtige und spannende Infos dazu gibt. Ich hoffe ich habe euch mit dem Beitrag nicht erschlagen und sollten noch Fragen da sein, stellt sie mir doch einfach in den Komentaren.

Eure Svenja


Gewinnspiel

Beantworte die tägliche Tagesfrage in den Kommentaren des jeweiligen Beitrages und verrate uns das gefundene Lösungwort. (Das Lösungswort ergibt sich aus allen in den Beiträgen markierten Buchstaben) bis 23.08.2017 um 23:59 Uhr in einer E-Mail an gewinnspiel@booktraveler.de mit dem Betreff „Regenbogen“.

Tagesfrage:

Ihr habt nun eine Einblick in eine Erkrankung bekommen, die nicht nur den Patienten belastet, sondern auch die Angehörigen. Was meint ihr wie kann man den Patienten und auch den Angehörigen helfen?


Blogtourplan
18.08. Buchvorstellung bei Die Bücherfreaks
19.08. Demenz, Alter, … bei Büchertraum
20.08. hinterm Regenbogen bei sandystraumwelt
21.08. Leichtigkeit und tiefsinniger Humor bei Buchreisender

12 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke erst einmal an Svenja für ihren Beitrag zu diesem brisanten Thema und ihren persönlichen Erfahrung durch ihre Arbeit.

    Die Mutter meiner besten Freundin hat auch seit einiger Zeit Demenz . Es gibt so Situationen wie ein gemeinsames Kaffeetrinken…wo ihre Mutter nur noch als stumme Person anwesend ist (Kuchen futternd )
    und wenn sie dann doch spricht versteht man sie nicht….das tut meiner Freundin echt weh….auch die Enkelin wird nicht mehr als Enkelin erkannt.

    Deshalb finde ich es schon schwer jemanden da eine Möglichkeit zur Hilfe geben zu können oder zu wollen.

    Ich sage meiner Freundin immer….besuche Deine Mama weiter…lebt 20 KM von uns entfernt und lass sie wissen….da gibt es eine Tochter, eine Enkelin und Schwiegersohn und sei ihr nicht böse, so wie sie sich jetzt verhält….sie kann nichts dafür…es ist die Krankheit…die sie so werden lässt. …..

    LG…Karin…

    1. Author

      Genau so ist deine Reaktion wichtig, Man darf den Menschen mit DEmenz nicht fallen lassen, auch wenn er einen später eventuell nicht mehr erkennt.

  2. Hey!

    Ich bin diplomierte Gesundheits und krankenschwester….hab viele bücher zu dieser thematik 🙂 und bin.auch sehr oft mit dieser Erkrankung konfrontiert.

    Ich finde die tageszentren sehr gut….die Angehörigen sind entlastet und haben.zeit für sich….und die an denenz erkrankten sind professionell betreut und unter ihres gleichen.:)
    Eine von.vielen Möglichkeiten

    Liebe grüße Carina

    1. Author

      Hallo Carina

      Du hast Recht diese Tageseinrichtungen sind wirklich gut und bieten den Angehörigen und auch den Betroffenen eine kurze Pause, vom Alltag um mal wieder zu Atem zu kommen.

  3. Hallo zusammen,
    in der Single und Kleinfamilien Struktur unserer Gesellschaft kann eine solche Erkrankung nur schwer aufgefangen werden. „Mehr Geld“ bzw. mehr staatliche Unterstützung würde vieles einfacher machen. Noch besser wäre ein Zurück der Gesellschaft zu größeren bzw. großen Lebensgemeinschaften, in denen sich Alt und Jung, Krank und Gesund, gegenseitig unterstützen können und wollen.
    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Author

      Hallo Sabine

      Auch ich sehe es so wie du, das leider die optimalen Möglichkeiten bei uns fehlen. Ich glaube in Holland ist es da gibt es ein „Dorf“ wo erkrankte Menschen in mit gesunden Menschen leben und da ist alles auf die Erkrankten abgestimmt ist. So eine Möglichkeit fände ich auch richtig gut.

  4. ich glaube hier ist nur Professionelle Hilfe anzuwenden um so zu helfen und eben selber mit viel Gefühl und Ausdauer unterstützen!
    VLG Jenny und gerne mein Glück für ein Print versuche da ich keine ebooks lesen kann und sie auch nicht mag 😉

    1. Author

      Hallo Jenny,

      Professionelle Hilfe ist auf jedenfall ein wichtiger Baustein, aber auch die Familie ist für den ERkrankten sehr, sehr wichtig weil diese Konstante das ist was ihm den nötigen halt gibt.

  5. Hallo, toller Beitrag.
    Ich selbst hatte in der Familie einen Demenzpatienten. Damals war ich noch Teenager und kam als Angehöriger zuletzt gar nicht mehr damit klar. Mein Opa litt selbst auch sehr darunter. Schon zu Beginn. Immer wieder vergaß er Dinge, es war ihm sehr unangenehm. Zeitweise war es so, als sei er in seiner eigenen kleinen Welt, in die wir nicht reinkamen.
    LG

    1. Author

      Hallo Janine

      Das was du schreibst ist genau das was viele Angehörige berichten. Das Problem ist, das viele Patienten am Anfang genau mit bekommen was mit ihnen passiert und schämen sich dann dafür das sie was vergessen. Es gibt einfache Sachen wie das der Schlüssel im Kühlschrank zu finden ist oder man einen Apfel zwischen den Socken findet. Später werden leider auch Angehörige vergessen. Leider kann man diese Erkrankung nicht aufhalten. nur verlangsamen. Jedem Angehörigen und auch Erkrankten kann man nur viel Kraft wünschen.

  6. Hallo,

    ich glaube, dass es hilft wenn man ihnen einfach zuhört und sie nicht anders als sonst behandelt… man kann auch seine Hilfe im Alltag anbieten…

    LG

  7. Hallo,
    beruflich habe ich schon mehrere Male Kontakt mit Demenzkranken bekommen (bin aber keine Fachkraft). Ich denke, es ist wichtig, die Angehörigen zu entlasten, denn wenn ein lieber Mensch auf einmal so anders ist und vieles vergisst, ist das sehr schmerzlich und zu Hause kaum aufzufangen. Gut finde ich Wohngruppen oder auch Tagespflege, in denen viel mit Spieltherapie gemacht wird. Eine unschöne Krankheit, aber welche ist das nicht?

    lg, Jutta

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