[Adventskalender 2018] 08.12. Mein Weinachten Beitrag geschrieben von Tamara Leonhard

Vater-Tochter-Weihnachtsbacken

Seit ich denken kann, begann für mich die Weihnachtszeit immer mit dem Tag, an dem bei uns zuhause gebacken wurde. Traditionell war das der erste Advent. Anders als in vielen Familien steht an diesem Tag jedoch nicht meine Mama mit Backschürze in der Küche und rollte den Teig aus. Vielmehr ist es mein Papa, der in jedem Jahr das Haus verführerisch nach Zimt, Vanille und Anis duften lässt, denn mein Papa ist gelernter Bäcker und Konditor. Egal ob Spekulatius, Spritzgebäck oder Kokosmakronen – bei uns wurde immer alles selbst gemacht und nicht selten luden sich die Nachbarn an diesem traditionellen Backtag bei uns ein, um die herrlichen Düfte zu genießen, und heimlich ein wenig vom Teig zu naschen – was mich als Kind übrigens stinksauer machte, denn schließlich sagte man mir immer, ich solle das lassen, davon bekäme man Bauchweh!

Ich selbst saß als Dreikäsehoch immer an der Theke, welche Küche und Esszimmer verband, und durfte mithelfen. Zunächst waren es nur einfache Aufgaben, die ich übertragen bekam und eigentlich wartete ich vor allem darauf, am Ende doch etwas ablecken zu dürfen. Mit den Jahren konnte ich aber immer mehr mitarbeiten. Mit Feuereifer versuchte ich, Papas geschickte Technik, mit der er einhändig den Teig knetet, nachzuahmen, und versuchte später auch, eigene Ideen in seine traditionellen Rezepte mit einzubringen. Ein bisschen Extraglasur hier, ein paar Glitzerstreusel da. Doch die Grundrezepte sind stets dieselben geblieben. Notiert auf kleinen, längst vergilbten Zettelchen werden sie Jahr um Jahr hervorgeholt, um die treuen Fans, die Papas Gebäck seit vielen Jahren hat, zu erfreuen.

Inzwischen wird nicht mehr in der kleinen Küche mit Theke gebacken. Als ich ein Teenager war, zogen meine Eltern und ich aus der Schweiz nach Deutschland in ein Haus, in dem Mama und Papa nun schon seit über zwanzig Jahren leben. Doch auch hier beginnt die Weihnachtszeit wie eh und je mit dem Backtag. Die Nachbarn von damals können nicht mehr mal eben auf einen Sprung rüberkommen. Und doch lassen sie es sich nicht nehmen, bis heute an dieser Tradition teilzuhaben: Regelmäßig rufen sie an und fragen: »Na, ist er wieder am backen?«.

Heute ist es auch nicht mehr immer der erste Advent, an dem die Küche von einer zarten Schicht aus Mehl bedeckt wird. Wir schauen jedes Jahr aufs Neue, wann es zeitlich passt, dass ich vorbeikomme. Manchmal ist es der zweite Advent oder auch einmal ein Samstag. Aber ausgefallen ist das gemeinsame Vater-Tochter-Weihnachtsbacken noch nie. Es gehört einfach dazu, mit all seinen kleinen, besonderen Details … Den vergilbten Rezeptzettelchen, den Weihnachtsliedern aus dem Radio, der schweren, hölzernen Spekulatiusform und inzwischen wieder ein bisschen weniger Glitzerstreuseln, denn wenn wir ehrlich sind, brauchen Familientraditionen keinen Glitzer!

Eines der Rezepte lasse ich euch zum Schluss noch da:

Fluffige Nussplätzchen

300 g Zucker

100 g Butter

2 Eier

Und flüssigen Honig (Menge nach Geschmack) miteinander vermengen und schaumig rühren.

400 g gemahlene Haselnüsse

100 g Haferflocken

und etwas Backpulver unterheben.

Mit einem Esslöffel gleichmäßige Häufchen auf das Backblech setzen und bei ca. 160°C backen (je nach Größe der Plätzchen 10-20 Minuten, das müsst ihr ausprobieren).

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1 Kommentar

  1. Hallo und guten Tag,

    ja das liest sich mal nach einer netten Tradition an.

    Vater-Tochter Backen…..schöne Erinnerung, die Du ja wiedergegeben hast…das kommt von Herzen und geht mir auch zu Herzen…

    Auch bei uns wird am 1.Adventswochenende gebacken…nicht vorher und nicht nachher…..grins….

    Wie meine Jungs noch klein waren halfen sie immer mit beim Ausstechen/Verzieren usw. der Butterplätzchen ….eine Dose mit Zuckerstreusel und eine Dose ohne Zuckerstreusel für den Papa….denn der mag Zuckerstreusel nicht so besonders und ein paar für Opa……der trotz Zuckerkrankheit sich immer auch über diesen Genuss seiner Tochter und den Enkeln gefreut hat…

    Lange ist es her…..heute sind die Jungs groß, der Opa leider verstorben….aber trotzdem backe ich immer noch Butterplätzchen am ersten Adventswochenende und beim Verzieren spätestens sind meine Jungs dann wieder zum Helfen da….wie früher….

    LG..Karin…

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