[Adventskalender 2018] 14.12. Mein Weinachten Beitrag geschrieben von Anette Paul

Geliebte Weihnachtszeit

von Annette Paul

In meiner Kindheit tauchten jedes Jahr über Nacht zum ersten Advent die erzgebirgischen Engel, Räuchermännchen und Pyramiden auf und verzauberten die Stube. Der große Kachelofen spendete behagliche Wärme. An den Adventssonntagen wurde im Wärmefach Kakao warmgehalten und es gab Stollen oder Baumkuchen, von unseren Dresdner Verwandten geschickt.

Sehnsüchtig erwarteten meine Schwester und ich Heiligabend. Um die Zeit überschaubar zu machen, öffneten wir täglich ein Türchen in unseren Adventskalendern aus Papier und Pappe. Zum Nikolaus gab es Nüsse, einen Apfel, eine Apfelsine und ein paar Schokoladenkringel.

Endlich war es soweit. Schon morgens am 24. Dezember herrschte Betriebsamkeit. Mutter hantierte in der Küche und räumte danach die letzten Dinge in der Wohnung auf. Wir Kinder trauten uns nicht, sie anzusprechen, weil sie so beschäftigt war. Vater verschwand im Keller und wollte uns nicht dabeihaben. Nach dem Mittagessen, eine schnelle Suppe im Kinderzimmer verzehrt, schleppte er das erste, neu erstandene Fernsehgerät in unser Zimmer und legte ein meterlanges Antennenkabel. Dann wurden wir streng ermahnt, den Raum nicht zu verlassen, damit das Christkind nicht erschrecken und flüchten würde.

Während wir mit Begeisterung die Augsburger Puppenkiste sahen, klapperte es in der Stube geheimnisvoll.

Später trug Vater den Fernseher zurück ins Wohnzimmer, Mutter legte meiner Schwester die Kleidung zurecht und stopfte mich in mein bestes Kleidchen. Dazu musste ich meine Lackschuhe tragen, auf die ich so stolz gewesen war, die aber unangenehm drückten. Anschließend kämmte sie mir die Haare, was ich überhaupt nicht mochte, weil es schrecklich ziepte, dann band sie mit Schleifen Zöpfe.

Zunächst liefen wir zur Kirche, zum Kindergottesdienst. An den erinnere ich mich nicht mehr. Zu groß war wahrscheinlich die Erwartung an die Bescherung. Hinterher ging es wieder zurück ins Kinderzimmer, nur dass jetzt unsere Eltern ebenfalls hier saßen und von Weihnachten erzählten, bis es an der Tür klingelte und die Großeltern erschienen. Auch sie nahmen erst einmal bei uns Platz, während meine Eltern in der Stube verschwanden.

Bald darauf ertönte eine Glocke und wir stürmten ins Wohnzimmer. Ich als Jüngste vorneweg. Nur um gleich hinter der Tür schüchtern stehenzubleiben. Die Stube sah so anders, so fremd aus. Sie leuchtete im Kerzenschein, Weihnachtsbaum und die vielen Engel strahlten um die Wette, auf dem Couchtisch drehte sich eine große Pyramide und Räuchermännchen verströmten den typischen Weihnachtsgeruch.

Vor Aufregung wusste ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Vom Plattenspieler erklangen Weihnachtslieder. Doch schnell entdeckte ich die langersehnten Fahrräder vor dem Christbaum. Ein großes für meine Schwester, ein kleines mit Stützrädern für mich. Hingebungsvoll betrachtete ich das rote Kinderfahrrad, teste die Klingel und die Handbremse, strich liebevoll über den Rahmen. Selbst aufsteigen konnte ich dank der Stützräder. Leider durften wir sie nicht gleich in unserer winzigen Stube ausprobieren.

Ihr müsst bis morgen warten, wenn es hell ist, dürft ihr auf der Straße fahren“, versprach Vater.

An die anderen Geschenke erinnere ich mich nicht mehr, sie waren erst einmal nebensächlich. Genauso wie der bunte Teller und das Päckchen mit der leckeren Schokolade, das wir jedes Jahr von unseren Schweizer Verwandten erhielten. Wir rationierten es streng, damit die seltenen Leckereien bis Ostern hielten.

Nachdem wir alles ausgepackt und begutachtet hatten, setzte sich Großvater ans Klavier und spielte Weihnachtslieder, zu denen wir alle sangen.

Wir hatten kaum unseren Gesang beendet, als es an der Wohnungstür klopfte. Mutter öffnete und ließ Gudrun, unsere kleine Nachbarin, herein.

Sie stürmte ins Wohnzimmer. „Was habt ihr bekommen?“, stieß sie neugierig hervor und bewunderte gleich darauf die Fahrräder. Dann stand sie staunend vor den Weihnachtsengeln. Eine Weile beschäftigten wir uns mit dem neuen Spielzeug, bevor wir ihr die Treppe hinunter folgten und uns ihre Geschenke anschauten und mit ihnen spielten. Das Weihnachtszimmer bei unseren Nachbarn sah ganz anders aus als unseres. Es war hamburgisch schlicht und kühl. Nur der Christbaum mit den elektrischen Kerzen erinnerte über die Weihnachtstage an das Christfest. Der Besuch bei der Freundin gehörte für mich damals genauso wie die gesungenen Weihnachtslieder und die kleinen Holzengel zu Heiligabend.

Zum Abendessen wurden wir zurückgeholt. Wie jedes Jahr gab es Würstchen mit Großmutters rotem Kartoffelsalat. Danach durfte ich noch etwas spielen. Erheblich später als an normalen Tagen wurde ich ins Bett geschickt. Natürlich dauerte lange, bis ich nach der Aufregung schlafen konnte.

Rezept:

Roter Kartoffelsalat

Zutaten

3 Matjesfilets (300 g)
600 g Kartoffeln
ca. 150 g Gewürzgurken aus dem Glas
150 g Rote Bete aus dem Glas

1 großer Apfel
1 rote Zwiebel

Für die Salatmarinade:
3 EL Salatmayonnaise

etwas Rote Betesaft

Etwas Gurkenwasser

Zubereitung

Pellkartoffeln kochen, schälen und in Scheiben schneiden.

Matjesfilets in kleine Stücke schneiden, Gewürzgurken, rote Bete, Apfel und Zwiebel würfeln.

Für die Marinade Mayonnaise mit dem Rote Betesaft und Gurkenwasser mischen, mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

Alles in einer Schüssel vermengen und mit der Salatmarinade übergießen.

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.