[Adventskalender 2018] 19.12. Mein Weinachten Beitrag geschrieben von Sylvia Rieß

Der Weihnachtswahnsinn

oder

Jetzt ist aber auch mal gut!

Wann machst du denn dann die nächste VÖ?“

Im Februar, denke ich. Bis dahin sollte ich alles haben.“

Ich hau das Lektorat jetzt noch schnell durch. Ich will ja noch das Weihnachtsgeschäft für beide mitnehmen.“

So ungefähr verlief Ende Oktober ein Gespräch mit einem hochgeschätzten Kollegen, das für mich eine Art Warnschuss war. Aber bitte nicht falsch verstehen. Das ist keinesfalls als Kritik an all den Kollegen gemeint, die es anders handhaben. Denn ja, unsere Welt unsere Gesellschaft ist auf Konsum, Wachstum und Rentabilität gepolt. Wir Selfpublisher, so sehr wir auch immer mit Herzblut alles machen wollen, müssen auch knallharte Geschäftsmänner und -frauen sein, damit wir auf lange Sicht nicht nur für den nicht vorhandenen Ruhm schreiben.

Für mich allerdings ist dieses „Weihnachtsgeschäft“ einfach nichts. Weihnachten, Advent, das sind seit jeher Inbegriffe von In-sich-Gehen, Runter-Kommen, Aussteigen aus dem Alltagstrott und mal wieder bewusst wahrnehmen.

Was habe ich dieses Jahr alles erlebt? Was erreicht? Was habe ich gelernt? Wen kennengelernt? Und klar natürlich: Ich kann das alles auch in einem Jahresabschluss-Resumee verarbeiten und nochmal mit meinen Followern und Kollegen, Lesern und Freunden reflektieren.

Ich glaube jedoch, dass es einen Grund hat, dass Mönche zum Meditieren die Stille und Einsamkeit suchen. Wenn wir aus dem Erlebten und Gelernten mehr machen wollen, als einen Erfahrungsbericht, der zwischen denen der letztn Jahre in der Schublade verschwindet, dann müssen auch wir uns in der Stille und der Einsamkeit unserer Gedanken Zeit nehmen, ohne mediales Spektakel und Feedback von außen unsere eigenen Schlüsse zu ziehen.

Darum habe ich mich jetzt schon in der Woche vor Weihnachten aus allem herausgezogen. Meine Seite ist seit dem 17. stumm. Und ich bereue es nicht. Im Gegenteil. Ich spüre täglich den Drang, nach Messages und Posts und Kommentaren zu schauen und erinnere mich dann: Ah ne, kann nichts Wichtiges sein. Du bist ja abgemeldet. Und ich gestehe: Es geht mir gut. Es gibt mir Kraft. Es erinnert mich an die Zeit vor Facebook. Vor den Veröffentlichungen. Als mein Autorendasein nur auf das Erzählen meiner Geschichten fokussiert war.

Vielleicht brauche nur ich das. Vielleicht aber brauchen wir alle von Zeit zu Zeit diese Erinnerung, dass eine Welt außerhalb der digitalen existiert, und dass sie früher völlig genug war.

Genau dafür ist für mich Weihnachten da: Mal wieder in mich zu gehen, mir bewusst zu werden, was ich eigentlich will, abseits von jedem Geschenke-Wahnsinn.

So wünsche ich auch euch, dass ihr in diesen nächsten Tagen ein wenig Ruhe und auch, ja, -für manche ein ‘böses’ Wort-, Besinnlichkeit findet. Jagt nicht noch dem letzten Schnäppchen und dem tollsten Geschenk nach. Traut euch, einmal zu sagen: „Ich schenke dir, das Wertvollste, was ich habe:“

Meine Zeit.

In diesem Sinne

Frohe Weihnachten und viel Zeit mit euren Liebsten.

Eure Sylvia

©
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