Aus dem Leben eines Autors – Februar– Angela Bugno Beitrag wurde vom Autor geschrieben

Betaleser – Was können die schon?

Uff, wenn ich so etwas lese, muss ich mich zur Ruhe zwingen, auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass ich über solche Sätze auf Facebook stolpere und mich das dementsprechend nicht mehr schockieren sollte. Aber das tut es. Sehr oft. Und heute dachte ich mir, ich mache mein Schreibprogramm auf und schreibe diese Worte. Darüber, warum Betaleser von Autoren so händeringend gesucht werden. Darum, warum sie den Unterschied machen können, ob ein Buch ein Juwel oder eine Katastrophe ist.

Was machen Betaleser eigentlich?

Wenn ich von Betalesern spreche, dann meine ich nicht Leser, die Rechtschreib- oder Grammatikfehler, Satzzeichenfehler oder dergleichen ankreiden. Das sind Fehler, von denen der Erfolg einer Geschichte meistens nicht abhängig ist – Ausnahme: jede Seite strotzt vor Fehlern, aber wir gehen davon mal nicht aus 😛

Wenn ich von Betalesern sprechen, dann meine ich jene Leser, die eine Spürnase für Logikfehler, Charakterbrüche und fehlende Spannung haben. Alles, was die Geschichte am Leben hält: ihre Dramaturgie. Ohne Dramaturgie, ohne einen roten Faden oder Figuren, mit denen man mitfiebert, doch vor allem ohne Spannung ist eine Geschichte leer, ausdruckslos und begeistert nicht. Das sind Fehler, für die man geschulte Augen braucht und die hat nicht jeder. Umso schwieriger ist es, einen geeigneten Betaleser zu finden, der diese Fehler erkennt und richtig benennt. Fehler, für die wir Autoren total blind geworden sind.

Das ist eine anstrengende Aufgabe, aber das ist noch nicht alles: Betaleser brauchen ein Gefühl für den Schreibstil des Autors. Sie spüren nicht nur krumme Sätze und seltsame Ausdrücke auf, sie müssen zwischen „Schreibstil“ und kompletter „Nonsens“ unterscheiden. Das können die wenigsten, deshalb macht dies die Suche nach geeigneten Betalesern unheimlich schwer.

Last but not least: Ausdauer und Mut zur Wahrheit – auch das sollten Betaleser haben. Ausdauer sich durch die Rohfassung einer Geschichte zu kämpfen, mit dem Wissen, dass man die Geschichte niemals so lesen wird, wie Endleser es tun: aufpoliert und frei von jeglichen Fehlern. Und Mut zur Wahrheit dem Autor mal eine verbale Backpfeife mitzugeben, wenn er sich einen groben Patzer geleistet hat. So eine verbale Backpfeife tut natürlich weh, aber sie ist 100x besser als die 1-Stern-Rezi eines Endlesers.

Was können Betaleser also schon? Eine ganze Menge! Die Arbeit ist alles andere als ein Zuckerschlecken, deshalb ziehen wir Autoren unsere schriftstellerischen Hüte vor all unseren Betalesern, die uns helfen unsere buchigen Rohdiamanten aufzupolieren <3

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