Aus dem Leben eines Autors – Februar – Hildburg Reidt Beitrag wurde vom Autor geschrieben

Inspiration … Eine kleine Geschichte gefälligst?

Man wir als Autorin oft gefragt, woher man die Inspirationen für seine Geschichten nimmt. Eine gute, berechtigte Frage. Für mich persönlich würde ich sagen, dass das Leben um uns herum die schönsten Storys schreibt. Es sind Dinge, die am Wegrand passieren oder solche, denen wir machtlos gegenüberstehen, die uns mitreißen, die uns berühren. In die wir hineinschlittern. Gewollt oder ungewollt. Sie sind die Grundsteine von großen Romanen.

In all meinen Geschichten steckt nicht nur eine lebhafte Fantasie, sondern auch ein großer Teil an Erlebnissen und Begebenheiten, die ich selbst, nahe oder ferne Bekannte erlebt haben. Die ich mir zurechtgebogen oder so verarbeitet habe, wie sie passiert sind. Dichtung und Wahrheit. Wahrheit und Dichtung. Ich werde einen Teufel tun, jemals zu verraten, was echt, oder meiner Fantasie entsprungen ist … 1x1 Aus dem Leben eines Autors – Februar – Hildburg Reidt

Hier eine kleine Begebenheit, deren Zeuge ich völlig überraschend werden durfte und die ein wahrer Quell der Inspiration war:

Letzten Sommer habe ich eine Freundin in Berlin besucht. Wir bummelten ziellos durch die Stadt, tratschten, kauften nebenher viel zu viel Klamotten oder Dinge, die kein Mensch braucht und hatten einen Mordsspaß dabei. Und das ist ja der Sinn der ganzen Geldausgeberei. Spaß haben, nicht dem Verstand folgen, sondern dem Herzen und der Lust.

Am späten Nachmittag ließen wir uns in der Nähe des Potsdamer Platzes im Außenbereich eines Vapianos nieder. Ein Restaurant, in dem man Pizza, Nudeln oder Salate an der Theke nach eigenem Geschmack ‚a la minute‘ zubereiten lassen kann. Wir bestellten und schlenderten mit den Tellern unserer Nudelgerichte und zwei Weißweinschorlen auf dem Tablett in den Außenbereich, wo wir uns uns an einer langen Holztafel niederließen, die mit Kräutertöpfen aller Art dekoriert war. Der Tisch bot Platz für etwa 10 Personen. Während wir uns die Schandtaten der letzten Wochen erzählten, ließ sich neben uns ein junges Pärchen nieder. Schick gekleidet, frisch gestylt, angenehm parfümiert, gut aussehende Frau, relativ normal aussehender Mann. Als Autorin hat man die Angewohnheit, oder vielleicht auch das Talent, die Menschen in seinem Umfeld schnell taxieren, einschätzen und sich Kleinigkeiten einprägen zu können. Während wir unsere Nudeln aßen und dabei schwiegen, begann das Pärchen neben uns die Karte zu studieren. Man brauchte etwas länger, aber schließlich einigte man sich. Die junge Frau wählte einen Blattsalat mit Thunfisch, Gorgonzola, Pinienkernen, Tomaten und Grillgemüse. Der junge Mann entschied sich für Nudeln mit einer einfachen Tomatensoße und Käse. Er ging davon, um die Bestellung aufzugeben. Kaum, dass er hinter der Eingangstür des Restaurants verschwunden war, zückte die junge Frau das Handy und rief eine Freundin an. Empört ließ sie ihrem Missmut freien Lauf, was man sich ungefähr so vorstellen muss:

„Du ahnst nicht, wo ich bin! Der hat mich doch tatsächlich zum Essen ins Vapiano geschleppt! Was glaubt der, wer ich bin! Stangenware? Ich habe mir extra eine neue Bluse und Schuhe gekauft und großes Make-Up aufgelegt. So ein Arsch. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich niemals mit dem verabredet. Das war das erste und das letzte Mal! Stell dir vor, er will anschließend noch ins Kino! Ich hasse Kino, vor allen Dingen, wenn die Außentemperaturen dazu einladen, in irgendeiner coolen Location einen Cocktail zu schlürfen. Ich fasse es nicht. Wie komme ich aus der Nummer wieder raus …“

Das Lamentieren ging so lange, bis der junge Mann mit dem Essen zurückkam. Wie auf Knopfdruck wechselte unsere Tischnachbarin ihr Verhalten. Ihr Ton klang sanft, ihre Augen blickten freundlich, sie unterhielt sich angeregt mit ihrem „Date“. Längst hatten meine Freundin und ich unser Gespräch eingestellt und lauschten mit Ohren, die so groß waren wie die Schuhlöffel von Ikea. Aus dem Gespräch entnahmen wir, dass sie wohl eine Informatikstudentin war und er einen guten Posten im Finanzwesen innehatte. Nachdem die beiden fertig gegessen hatten, entschuldigte sich der junge Mann, um die Toilette aufzusuchen. Kaum, dass er verschwunden war, zückte unsere Tischnachbarin erneut ihr Handy.

„Tu mir den Gefallen und ruf mich in einer halben Stunde an. Sag, dass du dich ausgeschlossen hast oder mit dem Fuß umgeknickt bist. Irgendwas. Ich habe keine Lust, mich für den Rest des Abends weiter zu langweilen.“

Als ihre Begleitung zurückkam, schenkte sie ihm wieder ein zuckersüßes Lächeln und freundliche Worte. Sie stand auf, nickte uns grüßend zu und schlenderte mit ihm davon, als hätte es das vorangegangene Telefonat nicht gegeben.

Meine Freundin und ich schauten uns sprachlos an.

„Fuck“, kommentierte sie.

„What a bitch“, schloss ich mich perplex an …

Noch heute frage ich mich, ob wir unwissend Statisten in einer heimlich gedrehten Soapstory gewesen sind, oder vielleicht Opfer der Sendung „Verstehen Sie Spaß“.

Wie dem auch sei. Es sind diese Geschichten, die für die Feder einer Autorin Zuckerguss und Nahrung sind. Die mich darin bestätigen, dass das wahre Leben die besten Geschichte schreibt und ich das dankbare Werkzeug bin, sie aufzuschreiben. Irgendwann werde ich einen Roman schreiben und mich an diese Begebenheit erinnern. Vielleicht schon bald …  1x1 Aus dem Leben eines Autors – Februar – Hildburg Reidt1x1 Aus dem Leben eines Autors – Februar – Hildburg Reidt

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