Aus dem Leben eines Autors – Juli – Sylvia Rieß Beitrag wurde von der Autorin geschrieben

Autor, Tierarzt und innere Stimmen

Hallo ihr Lieben, heute darf ich ebenfalls einen Beitrag für diese wundervolle Reihe schreiben. Ich gebe zu, ich habe mir einige Gedanken gemacht, mich gefragt, was ihr Leser hören wollt, was ihr nicht schon dutzendmal an anderer Stelle gelesen habt. Dabei kommt mir immer wieder eins in den Kopf: Ich bin nur ein Autor. Ich kann gar nicht wirklich repräsentativ für ‚meine Zunft‘ schreiben, denn den Beispiel-Autor, den gibt es nicht. Zumindest ist das meine Erkenntnis nachdem ich mit meiner ersten Veröffentlichung im Mai 2015 in diese illustre Gesellschaft gerutscht bin.

Davor?

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Ach ja, da war ich so der klassische weltentrückte Schreiberling in meinem imaginären Elfenbeintürmchen, der zwischen dem Gedanken: „Was ich mache, ist so revolutionär und nie dagewesen“ und „Nichts davon ist es wert, je gelesen zu werden!“ hin und her schwankte. – Nicht, dass ich das nicht heute auch noch tue. Der Unterschied ist lediglich, ich kann wenigstens mit einiger Sicherheit sagen, dass das unter Autoren normal ist.

In vielem anderen unterscheiden wir uns allerdings und nicht ein Autor ist wie der andere. Manche plotten (arbeiten ihre Geschichten detailliert aus, bevor sie mit dem Schreiben beginnen), andere überlassen der Muse das Steuer und schreiben aus dem Bauch heraus. Manche schreiben nachts besser und andere tags. Einige brauchen immer Musik und immer grünen Tee, Unmengen von Schokolade oder ihre absolute Ruhe in einem Häuschen in den französischen Ardennen oder Meeresrauschen im Hintergrund.

Ich selbst brauche nur meinen Laptop und meine inneren Stimmen. Im besten Fall ein Bett, eine Couch, irgendwas, wo ich mich hinfläzen kann. Katze in der Nähe kann beruhigend wirken, ist manchmal aber auch hinderlich. Doch im Notfall tut es auch die fragwürdige Bequemlichkeit eines Sitzes in einem Regionalbähnchen, wo zum Beispiel große Teile meines „Stern von Erui“ während meines Pendlerdaseins zur Uni entstanden sind. Wenn meine Muse dann anwesend ist, ist die mit den Umständen nicht wählerisch und zwingt mich förmlich dazu die Bilder und Szenen, die ich im Kopf wie kleine Kinofilme ablaufen sehe, zu Papier zu bringen.

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Aus diesen Ausführungen merkt ihr schon, ich bin der Typ ‚Bauchschreiber‘. Was spannend und toll ist, denn man plant Geschichten nicht, man erlebt sie selbst und hat manchmal gar keinen Einfluss auf ihre Wendungen. Doch ist es nicht immer besonders hilfreich. Zum Beispiel wenn ich meinen Brotjob nachgehe. Manche wissen es ja, ich bin nicht Berufsautor, sondern Tierarzt. Tieren zu helfen und zu heilen war in meiner Kindheit ein ebenso starkes Bedürfnis für mich wie das Schreiben, und mein einziger Ausweg: Dann mach ich halt beides!

So tingel ich also (oder rase, je nach Patientenaufkommen an einem Tag 😉 ) auf meinen Pferderunden durch den Westerwald, genieße die Aussicht und manchmal trifft es mich wie ein Schlag. Dann habe ich Szenen vor Augen, höre meine Protagonisten streiten und debattieren. Ich werde von plötzlichen Intrigen überrascht und manches Mal hat mich das sogar schon zum Weinen gebracht.

Also ja, ihr dürft euch das bildlich vorstellen, ich sitze in meinem Auto auf dem Weg zum Pferde impfen und muss erstmal rechts ran fahren, weil es mich zum Heulen bringt, dass ich plötzlich weiß, wie die Geschichte zweier Protagonisten ausgeht oder wie zum Beispiel eine geliebte Figur den Tod findet. Klar, es heißt, die besten Geschichten lassen den Autor beim Schreiben so intensiv fühlen, wie den Leser später beim Lesen, aber so ein bisschen blöd kommt man sich dann doch vor. x)

Allerdings verfliegen diese Bilder schnell auch wieder, wenn ich bei meinen Patienten bin. Dann gibt es nur noch sie und ihre Belange und in besonders arbeitsreichen Wochen tatsächlich keinen Platz für meine Geschichten. Das Leben geht immer vor und rückt an erste Stelle und meine Muse packt schmollend ihre Koffer. Deswegen habe ich es mir angewöhnt immer Papier und Bleistift einstecken zu haben, um ganz besondere Gedanken und Szenen festhalten zu können.

Die eindringlichsten brauchen das nicht, die sind unwiderruflich einfach in mein Gedächtnis eingebrannt, als wären diese Dinge wirklich passiert. Aber manche sind noch klein und unfertig und brauchen ein wenig Hilfe beim Wachsen.

Im übrigen ist es ganz gut, dass meine Muse ab und an zum Schweigen gezwungen wird. Würde ich dem störrischen Ding zu viel freie Hand lassen, hüpfen am Ende einfach zu viele Plotbunnys auf meinem PC herum. 23 angefangene Romane liegen da derzeit. Das gegenüber erst 6 Veröffentlichungen … Ja, da will die innere Stimme grade wieder schreien: „Du kriegst aber auch gar nichts geschafft.“

Tja, so sind sie, meine inneren Stimmen, die mich in phantastischen Welten entführen und dazu bringen, euch Leser mitzunehmen. 😉 Würdet ihr mich fragen, nach welchem Filmtitel ich mein Autorendasein benennen würde, dann vermutlich: „Wenn Träume fliegen lernen“. Witzigerweise heißt die Protagonistin des Films Sylvia Llewellyn – eine Verschmelzung meines eigenen Namens mit meinem liebsten Protagonisten. 😉 Wenn das nicht ein Zeichen ist!

Bis zum nächsten Mal aus meinem verrückte Autorenleben.

Eure Sylvia

Autoren-Weihnachtsshooting-29 Aus dem Leben eines Autors – Juli – Sylvia Rieß

©
Cover und Bilder: Sylvia Reiße
Aktionsbanner: Pixabay/Gimp//Svenja Glaser

 

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1 Kommentar

  1. Hallo und guten Tag,

    hm, habe schon einiges von der Märchenspinnerei gelesen, aber ausgerecht von dieser Autorin noch nicht.

    Deshalb fand ich die Infos zu dieser Autorin besonders interessant…

    Danke dafür..LG..Karin..

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