Aus dem Leben eines Autors – Juni – Katja Dederichs Beitrag wurde von der Autorin geschrieben

Autor und der Alltag …

manchmal ein schwieriges Unterfangen.

Die wenigsten Autoren haben wohl das Glück, dass sie sich den lieben langen Tag mit ihrer Kreativität, dem ordnen der vielen Gedanken und der Schreiberei befassen können. Neben einem Job, der am liebsten ein wenig Geld mit nach Hause bringt, um das ganz normale Leben zu finanzieren, gibt es oft auch einen Partner/eine Partnerin, die des abends einen Funken Zeit beanspruchen möchten. Manche von den Schreiberlingen haben darüber hinaus noch Kinder, die ihrer eigenen Natur folgend jegliches Zeitmanagement über Bord werfen. Und den Haushalt, das Einkaufen, die Wäsche und auch die gelegentlichen Besuche von oder bei Freunden darf man auch nicht vergessen. Wann also findet ein Autor Zeit und Energie zwischen dem alltäglichen Wahnsinn (und das ist keinesfalls abwertend gemeint) für die Schreiberei.

Zu beleuchten was alles nötig ist, bis ein Roman endlich das Licht der Welt erblickt, sprengt den hiesigen Rahmen. Ich möchte Ihnen heute einen nicht ganz ernstgemeinten Tagesablauf aus dem Leben eines Autors vorstellen.

In aller Herrgottsfrühe schrillt ein Wecker, oder entsprechend unserer modernen Welt oftmals ein Handy und verkündet mit seinem nervtötenden Gedudel, dass der Tag endlich zu beginnen hat. Die Autorin schleppt sich zunächst in die Küche, um die Kaffeemaschine zu starten. Leider gibt es den intravenösen Zugang für Koffeinsüchtige noch immer nicht auf Rezept. Während der Kaffee nun läuft, findet unsere Autorin blind den Weg ins Bad und bemüht sich nach allen Kräften um eine Altbausanierung. Die macht sie nur, um die zarten Kinderseelen zu schützen, die noch unbescholten und glücklich träumend in ihren Betten schlummern und nicht von einer erschreckenden Horrorgestalt aus dem Schlaf gerissen werden möchten. Nach einem Blick in den Spiegel verdoppeln sich die Bemühungen. Da die Zeit als fieser Gegenspieler gleichgültig weiterläuft, muss dieses Projekt nach mehr oder weniger erfolgreichem Unterfangen abgebrochen werden. Aus dem bisher schlurfenden Gang wird ein dynamisches taumeln. Noch immer ist es viel zu früh und die Autorin schwört, an diesem Tag endlich mal früher ins Bett zu gehen.

Das andauernde Schlafdefizit muss ausgeglichen werden.

Angekleidet, bereits die Waschmaschine befüllt und angestellt, steht unsere Autorin eine halbe Stunde nach dem Erwachen in der Küche und schmiert Brote für die lieben Kleinen. Da auch eine Autorin nur zwei Hände hat, sie aber gelernt hat auf nur einem Bein zu balancieren, räumt sie gleichzeitig mit einem Fuß die Spülmaschine aus und stopft anschließend das schmutzige Geschirr vom gestrigen Abendbrot hinein. Die Kinder liebevoll geweckt, werden ins Bad geschickt und Autorin packt indes brav die Schultaschen. Pünktlich, wobei dies im Auge des Betrachters liegt, sind die Kinder aus dem Haus und der Autor, der ganz plötzlich zum stinknormalen Menschen mutiert befindet sich auf dem Weg zur Arbeit. Unser weiblicher Autor arbeitet halbtags in einer Arztpraxis. Von dem geheimen Leben hinter der Fassade weiß kaum jemand, höchstens Frau Müller. Frau Müller lächelt immer vielsagend, wenn sie einen Termin in der Praxis hat. Geheimnisvoll flüsternd erkundigt sie sich nach dem neusten Projekt und schüttelt verständnislos mit dem Anflug von Enttäuschung den Kopf, wenn die Arzthelferin alias unser Autor nur von einem kleinen weiteren Kapitel berichtet. Gegen vierzehn Uhr endet der Halbtagsjob. Mit einer Einkaufsliste bewaffnet stürmt unsere Autorin den nächsten Supermarkt, fährt eine geschlagene Stunde später nach Hause und schleppt die Tüten in drei Etappen bis hoch in den vierten Stock. Eilig die Lebensmittel verräumt, wird die Wäsche vom Morgen aus der Maschine genommen und aufgehangen. Umgehend wird nun die nächste Ladung Klamotten in die Maschine gestopft. Die lieben Kleinen sollten gestern ihre Zimmer aufräumen, da sie aber lieber den Inhalt ihrer unordentlichen Schränke in die Schmutzwäsche stopfen, türmt sich ein Wäscheberg, der fast schon ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät unserer Autorin, dass es Zeit wird zu kochen. In nicht mal einer Stunde kehren die Kinder von der Schule zurück und verlangen ein warmes Essen, um die Leistung ihrer Gehirne wieder ankurbeln zu können. Hastig die Kladde geholt und zwischen Zucchini, Tomaten und Hähnchen drapiert. Beim kochen kommen oftmals ganz spontane Ideen, die es gilt aufzuschreiben, ehe sie sich mit dem Kochdampf schon wieder verflüchtigen. Während das Essen nun brutzelt und mehrere Geistesblitze notiert werden konnten, wird nun der Staubsauger aus der Versenkung geholt.

Die Kinder heimgekehrt, gesättigt und wieder zum Spielen vor die Tür geschickt, startet unsere Autorin den PC. Eine kostbare Stunde könnte sie nutzen, ehe der Mann von der Arbeit kommt und ungeteilter Aufmerksamkeit bedarf. Und da geschieht es … die Ideen die sich förmlich den ganzen Tag über immer mal wieder in den Alltag geschmuggelt hatten, sind verschwunden. Die Autorin starrt auf den Text des gestrigen Tages und schwebt mit ihren Fingern über der Tastatur, damit sie sofort zuschlagen kann, sowie ein Geistesblitz sich zeigt. Endlich, Anschluss gefunden. Die Fingerkuppen schlagen die einzelnen Buchstaben an, es scheint von ganz alleine zu funktionieren, doch dann unterbricht das stürmische Geläut an der Haustüre den Gedankenfluss. Die Kinder wollten Geld für ein Eis. Seufzend setzt sie sich wieder an den Laptop, als auch schon die Waschmaschine piept. Schnell noch die Wäsche aufhängen. Während unsere Autorin damit beschäftigt ist, ertönt die lautstarke Stimme ihres Mannes, der umgehend nach Aufmerksamkeit verlangt. Er erkundigt sich nach dem Essen und lässt sich einen Teller davon servieren. Der PC gerät ins Hintertreffen und alle Ideen auf später verschoben. Bis der Mann seinen Tag vollständig berichtet und sich zufrieden mit der Tageszeitung auf dem Sessel nieder gelassen hat, ist es Zeit die Kinder rein zu holen. Nach einer Stunde erfolgloser Suche findet unsere Autorin besagte Kinder unmittelbar vor der Haustür. Sie scheucht die Kleinen ins Bad, damit sie sich unter der Dusche den Tonnen an Sand entledigen und schmiert derweil die Brote fürs Abendessen. Gegen einundzwanzig Uhr fallen die Kinder ins Bett und unsere Autorin setzt sich wieder vor den Laptop. Erneut steht sie vor dem Problem, dass ihre Kreativität von vorne herausgefordert werden will. Sie starrt auf den Bildschirm, während der Mann zum Sportprogramm umschaltet. Bis dreiundzwanzig Uhr läuft das Fußballspiel. Ihr Mann kommentiert es lauthals, was unserer Autorin jedwede Konzentration raubt. Gähnend wartet sie eigentlich nur darauf, dass er endlich ins Bett geht und der Tag endlich mal ihr gehört. Die notierten Ideen befindet sie für gut und möchte sie entsprechend ausarbeiten und aufschreiben. Sie schickt ihren Mann mit einem liebevollen Klaps auf den Allerwertesten ins Bett und verspricht, in nicht allzuferner Zeit zu folgen. Gähnend nimmt sie wieder vor dem Laptop Platz und ganz plötzlich fließen die Ideen nur so durch ihren Kopf. Ein Satz jagt den nächsten und es füllen sich einige Seiten. Und nur weil unsere Autorin sich ein Glas Wasser aus der Küche holt, wirft sie einen Blick auf die Uhr und stellt erschrocken fest, dass es schon halb drei in der Nacht ist. Ihrer Energie zum Trotz drängt die Vernunft an die Oberfläche. Ihr graut vor dem morgigen Tag und, noch während sie ihre Zähne putzt, nimmt sie sich ganz fest vor, morgen früher ins Bett zu gehen.

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