Interview mit Mary Cronos

Heute stellen wir euch die Autorin Mary Cronos vor, sie haben wir auf der Leipziger Buchmesse getroffen und durften ihr unsere Fragen stellen.

Zu deiner Person:

Wer bist du? Wie würdest du deine Biographie erzählen?

Ich bin Autorin, Künstlerin und Theologin – das bringt es wohl auf den Punkt. Neben dem Schreiben fotografiere ich, zeichne fotorealistisch, illustriere Bücher und bin Photoshop-Künstler. Deshalb biete ich zB auch Coverdesigns an. Aber eigentlich habe ich knapp 10 Jahre Theologie studiert, um Pfarrerin zu werden. Aber da kam dann eben meine Kreativität dazwischen.

Wenn du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Personifiziertes kreatives Chaos

Welches Sternzeichen bist du?

Widder – oder Hase – oder Haselnussbaum – oder Roter Habicht 😀

Welchen Fehler entschuldigst du am ehesten?

Och, viele. Keiner ist perfekt. Ich denke, ich entschuldige am ehesten solche, die man nicht schon X Mal gemacht hat.

Wer ist dein liebster Romanheld?

Jenseits meiner eigenen Geschichten? Nightingale aus der Flüsse von London Reihe. Wobei er ja keine Hauptfigur ist. Ich weiß nicht, ob er trotzdem gilt. Solltest Du meine eigenen Bücher meinen: Da liebe ich natürlich alle Helden gleichermaßen!

Wer ist dein Lieblingsheldinnen/ -helden in der Wirklichkeit?

Lebend oder nicht lebend? Aber eigentlich ist das ganz gleich. Für mich kann jeder ein Alltagsheld sein, der sich seinen ganz persönlichen Herausforderungen stellt und dennoch andere ehrlich anlächeln kann.

Wer ist dein Lieblingsmusiker?

Da gibt es je nach Stimmung und Anlass verschiedene: Mark Forster, Michael Malarkey und David Garrett.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Ganz klar das Schreiben Dicht gefolgt vom Zeichnen und Fotografieren.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Hmmm. Das ist ebenso Stimmungsabhängig bei mir. Blau – rot – beere – weiß…

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?

Agatha Christie ist ein großes Vorbild und ihre Bücher meine absoluten Lieblinge.

Was verabscheust du am meisten?

Ungerechtigkeit.

Welche natürliche Gabe möchtest du besitzen?

Man kann nie genug können und es gibt viele Dinge, die ich gern noch lernen möchte. Auf der anderen Seite bin ich dankbar für die Gaben, die ich habe, und ich weiß, dass ich jetzt schon überlastet damit bin. Deshalb bleibe ich vorerst bei dem, was ich kann und freue mich, für alles, was ich nicht kann, großartige andere Menschen kennenzulernen.

Wie bist du zum schreiben gekommen?

Ich schreibe eigentlich, seit ich es gelernt habe. Dazu, mir größere, komplexere Geschichten auszudenken, kam ich vor 10-15 Jahren, als ich begann, Forenrollenspiele (RPG) zu spielen. Und nur wenig später hab ich beschlossen, dass einige dieser Geschichten eigentlich Bücher verdient hätte. Zwei davon könnt ihr heute kaufen: Nafishur und Houston Hall.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Die Mischung macht es: Ein schöner Titel und ein tolles Cover machen mich neugierig. Aber danach müssen es die Charaktere und die Sprache schaffen, mich zu fesseln. Wenn mir der Schreibstil nicht gefällt, komm ich nicht über das erste Kapitel hinaus. Wenn ich mit den Figuren nicht warm werde, dann auch nicht.

Wo liest du am liebsten?

Eigentlich immer und überall. Gibt es einen falschen Ort zum Lesen? Im Grunde wird durch das Lesen jeder Ort zu einem guten Ort – denn durch das Lesen eines Buches wird aus irgendeinem Ort ein Portal in eine andere Welt.

Hast du ein Lebensmotto?

Sogar mehrere. Schließlich steckt das Leben voller Überraschungen:
„Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen.“
„There is a crack in everything. That’s how the light gets in.”

“Pray, trust, try.”

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Die ersten Bücher, die ich mir nicht faul hab vorlesen lassen (von meiner Mutter oder aus dem Kassettenrekorder), waren die Krimis der Fearstreetreihe.

Welches Buch MUSS man unbedingt gelesen haben?

Außer meinen? Ich bin mit solchen Aussagen vorsichtig. Bücher sind – wie so vieles andere – Geschmackssache. Vor allem ist eine solche Aussage Genreabhängig.

Hast du ein Lieblingsbuch?

Mit der Frage geht es mir wie mit der vorhergehenden. Ich hab sooo viele. Ich habe vor allem Lieblingsautoren mit all ihren Werken. Um einige zu nennen: Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle, Ben Aaronovitch, Sebastian Fitzek, Don Winslow, Kerstin Gier und J. K. Rowling.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Urlaub?

Dazu müssten wir schon hirntot sein. Wir sind Ideenschwämme. Wir sammeln und kreieren ständig Neues. Aber ich vermisse den Urlaub und den Feierabend auch nicht. Im Gegenteil: Ich würde etwas vermissen, wenn mein Hirn keine Geschichten mehr aus jeder Alltagsszene machen könnte.

Wie sieht dein Alltag aus?

Dementsprechend wenig alltäglich. In letzter Zeit versuche ich regelrecht verzweifelt, mir einen Alltag zu erschaffen. Regelmäßige Schreibzeiten etc. Aber ich scheitere bereits beim Versuch, eine einzige Woche zu planen. Jede kurzfristige Anfrage zerstört wieder meine Planung.

Was bringt dich zum Lachen?

Viel. Solange der Spaß nicht auf Kosten anderer geht und Niveau erkennen lässt. Ich lache gern und bin fest davon überzeugt, dass Lachen die beste Medizin ist – vor allem gegen schlechte Laune. Lach mal in den Spiegel. Ich wette, er lacht zurück.

Welches Hobbie hast du?

Meinen Beruf. Ich habe das große Glück, genau in den Bereichen zu arbeiten, die ich liebe. Ich habe also all meine Hobbies zum Beruf gemacht: Das Zeichnen, das Fotografieren, das Photoshoppen und Schreiben – und letztlich auch das Reisen.

Wie siehst du dich in 10 Jahren?

In zehn Jahren bin ich Anfang 40. Bis dahin kann ich hoffentlich locker vom Schreiben leben und habe im Idealfall eine kleine Familie. Ein paar Bestseller wären auch nicht schlecht.

Hier darfst du sagen, was du schon immer einmal sagen wolltest:

Ich bin ein Berliner. 😀

Vervollständige folgende Sätze:

Ich bin süchtig nach

Geschichten

Ich lese am liebsten Bücher aus dem Genre…

Krimi und Fantasy

Ich lese keine Bücher aus dem Genre…

Erotik und Horror

Mein Lieblingsgetränk ist…

Pfirsichsaft – auch wenn ich ihn nicht vertrage

Mein liebstes Liebeslied ist…

aktuell „Sowieso“ von Mark Forster und „Holes“ von Michael Malarkey

Ich grusle mich vor…

der wachsenden Intoleranz und Verdummung in der Welt

Wenn ich ein Geist wäre, …

würde ich irgendjemanden heimsuchen, der meine Bücher für mich schreibt.

Wenn ich in einem Buch leben würde, wäre ich...

überglücklich, in Nafishur zu leben. Da bin ich voreingenommen. Aber dort wäre ich gern ich selbst. Als Druide oder Pegasus (was das ist und warum, erfahrt ihr bald ).

Beim Schreiben esse ich…

vor allem Schokolade – zum Leidwesen meiner Hüften.

Kommen wir nun zum Schreiben

Woher bekommst du die Ideen für deine Romane und Geschichten?

Wie ich schon sagte: Wir Autoren sind Ideenschwämme. Alles, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, was wir erfahren und fühlen, erschafft Geschichten in uns. Und irgendwann sind diese Ideen dann zu Geschichten herangewachsen und wir müssen sie einfach schreiben. Zumindest mir geht das so. 😀 Wer mir zB in der Berliner U-Bahn begegnet, muss damit rechnen, eines Tages in einem meiner Romane aufzutauchen. Wichtig ist es einfach, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Dann kann man sich vor Ideen eigentlich nicht retten.

Wie lange brauchst du für die Herstellung eines eigenen Buches?

Für die Herstellung. Meinst Du das Schreiben eines Romans oder tatsächlich den Weg von der Idee zur Veröffentlichung? Beides kann man so pauschal nicht sagen. Alle bisherigen Bücher habe ich vor nahezu 10 Jahren erfunden und nun erst werden sie veröffentlicht. Daher sind die nicht hilfreich für einen realistischen Durchschnittswert. Generell kann ich sagen, dass ich viel Zeit (Monate) auf die Planung und Recherche verwende. In dem Punkt bin ich wirklich Perfektionist. Danach folgen Monate des Schreibens (allein schon, weil ich nicht allein vom Schreiben lebe) – wobei diese Zeit von weiterer Recherche und neuer Planung begleitet ist. Danach kommen Lektorat, Korrektorat, Testleser und der Buchsatz – jeder Schritt mit mehrmaligen Kontrollen durch mich davor und danach (Lektorat oft mit x Durchgängen). Dann das Cover und die PR parallel (Buchtrailer, Interviews, Vorablesen, Vorablesungen, Onlinepräsenz etc). Und dann die Anmeldung und Veröffentlichung, die Schaltung der ISBN… Wenn man es hier „richtig“ angeht, dann unterscheiden sich im Aufwand SP-Titel und Verlagswerke auch nicht voneinander (habe ja nun den Direktvergleich).

Welche Medien durchforstest du vor dem Bücher schreiben?

Das kommt ganz darauf an, was ich gerade brauche: Inspirationen oder konkretes Wissen oder sogar Augenzeugen/Spezialisten. Es kommt auch auf das Genre an und überhaupt die Art des Romans. Eine erste Recherche beginnt immer im Web. Aber danach zieht es mich nach Möglichkeit zu den Schauplätzen meiner Geschichte, zu Fachleuten, die mir helfen können und auch in die Bibliothek.

Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?

Ganz und gar nicht gemütlich. Überladen mit PostIts, To Dos, Schokotafeln und allerhand anderem Kram, der vor sich hin staubt. Aber ich schreibe auch selten am PC/Schreibtisch. Hier nutze ich nur meine beiden Bildschirme, wenn ich mich um das Lektorat etc kümmere. Zum schreiben halten meine Terrasse, ein Schaukelstuhl im Wohnzimmer oder der Sekretär mit der Vintageleselampe her. Da ist es gemütlicher und damit für mich inspirierender.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Wie gesagt, habe ich leider keinen idealen, geregelten Alltag. Das geht sicher vielen Kollegen so. Durch meine vielen unterschiedlichen Jobs ist es tatsächlich eine Herausforderung, überhaupt ab und an so etwas wie Alltag zu kreieren. Aber in den Stunden, in denen ich wirklich Autorin bin: Schreiben bis die Finger streiken oder der Kopf auf die Tastatur knallt.

Wie machst du auf deine Werke im Web aufmerksam?

Ich habe eine Autorenwebseite (mary-cronos.world), bin fast auf jeder Social Media Plattform zu finden und versuche mir immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen. Wie im Februar zur Fantasywoche den Buchtrailer zu meinem neuen Buch Houston Hall – Schatten der Vergangenheit.

Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?

Ganz klar: Ja und ja. 😀 Ich bin ein totaler Stratege und gerade für Nafishur muss ich das auch sein. Wenn man eine Geschichte aus zwei Perspektiven parallel erzählt, muss man wahnsinnig aufpassen. Die Tage und Stunden in beiden Büchern müssen exakt ineinander greifen, beide Versionen müssen allein verständlich sein, aber auch zusammen funktionieren.

Aber trotz allem ist es nicht so, als würden meine Figuren nicht ein ausgeprägtes Eigenleben führen. Das beste Beispiel ist Dariel – und mit ihm eben eine der beiden Sichtweise in Nafishur: Er ist ein Hunter und sollte eigentlich beim Versuch, Cara und Ginga (meine anderen beiden Protagonisten) zu töten, selbst sterben. Im ersten oder zweiten Kapitel. Stattdessen hat die Geschichte nun seinetwegen zwei Bücher pro Band.

Welches deiner Bücher magst du besonders?

Eine Frage, die wohl jeder Autor gleich beantwortet: Ich liebe alle meine Bücher gleichermaßen. Selbst die, die ich noch nicht veröffentlicht habe. Bücher sind für Autoren so ein bisschen wie Kinder und zwischen denen würde sich eine Mutter doch auch nicht entscheiden.

Wie suchst du passende Passagen für eine Lesung heraus, ohne zu spoilern?

Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Denn ohne zu spoilern sollen die Stellen doch auch spannend sein. Ich suche meist stellen heraus, in denen man die Protagonisten gut kennenlernen kann. Dialoge machen sich immer gut und etwas zum Lachen schadet auch nie. Danach überfliege ich die ersten Kapitel in meinem Buch nach ein paar knackigen Stellen, die für sich selbst sprechen und nicht zu viel verraten.

Hast du in deinem Buch einen Lieblingscharakter?

Auch da gilt, was für meine Bücher gilt. Selbst die Nebenfiguren und Antagonisten hab ich gern. In Nafishur hat wohl Magnus Cronos eine besondere Stellung für mich. Immerhin trage ich seinen Namen. Aber wie es dazu kam, das ist eine andere Geschichte.

Identifizierst du dich selbst mit einen deiner Figuren?

Mit allen ein bisschen und mit keiner ganz. Auch wenn ich ab und an glaube, ein Vampir zu sein (eher blass, nachtaktiv, viele Nahrungsmittelallergien), bin ich doch ein Mensch – und bisher noch ganz und gar, ohne gemordet zu haben oder Feuer aus meinen Händen zu schleudern. Aber meine Figuren tragen alle ein Stück von mir in sich. Von guten wie schlechten Eigenschaften.

Gibt es reale Personen, die dich zu deinen Figuren inspirieren?

Da ist es bisher ähnlich gewesen wie mit mir selbst: Ich kopiere keine Person ganz. Aber wie ich schon in Sachen Ideenbeschaffung beschrieb: Jede Begegnung kann mich inspirieren… inspiriert mich. Und dadurch werden natürlich auch reale Personen zu Grundinformationen für Figuren.

Es geht aber auch andersherum. Mit Dariel zum Beispiel. Er sieht aus, wie Ian Somerhalder in der ersten Staffel von The Vampire Diaries (Damon). ABER als ich Dariel schuf (vor nunmehr 12 Jahren – da hieß er noch Darius), sah Ian noch nicht so aus und ich kannte ihn auch nicht. Ich wurde erst auf ihn aufmerksam, als ich bemerkte, wie „mein Dariel“ im TV herumspazierte – und dann auch noch als Vampir.

Hast du eine Lieblingsszene?

Dutzende! In allen Büchern. In Dariels erstem Band zB seinen ersten Einbruch ins Krankenhaus oder den Kampf am Ende in Caras Villa. Bei Cara die Szenen auf dem Eiffelturm oder mit ihrer Großmutter. Und in Houston Hall all die Szenen, in denen Mary Anthony auf die Palme bringt – und ihre Gespräche mit der Ceasg.

Hast du reale Vorbilder für Szenen im Kopf gehabt?

Nein. Zumindest nicht bewusst. Natürlich kommt die Inspiration für Figuren und die Story an sich in vielen Punkten von äußeren Einflüssen. Aber für die Szenenentstehung greife ich für bestimmte Szenen sicher auf Erfahrungen und Wissen zurück, dass ich früher einmal gesammelt habe. Aber mehr auch nicht.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Genau genommen an drei Projekten – mit zwei weiteren in der Warteschleife: An erster Stelle und mit höchster Priorität an den zwei zweiten Bänden zu Nafishur. „Custos Abest“ werden sie heißen. Das bedeutet“ Der abwesende Wächter“ oder „Der Wächter ist abwesend“. Darüber hinaus stecke ich in der Recherche für meinen ersten Krimi! Ich freue mich schon riesig auf ihn. Und dann wartet da noch ein Drama auf mich, das in einem Krankenhaus spielt. Und sollte Houston Hall genug Lesern gefallen, gäbe es auch da Pläne für eine Fortsetzung. Ihr müsst nur den Verlag davon überzeugen.

Hast du auch mal Schreibblockaden, also Tage an denen gar nichts mehr geht?

Ich würde es nicht Schreibblockade nennen. Eher „Motivationsmangel“ oder „Konzentrationsschwäche“. Dafür muss ich aber schon krank sein oder extrem unter Schlafmangel leiden. Meist ist es eher so, dass ich wahnsinnige Lust zum Schreiben habe, aber nicht dazu komme, weil noch zu viele andere Jobs anstehen.

Wann und wo schreibst du?

Überall. Wie schon erwähnt je nach Wetter und Stimmung auf der Terrasse, im Schaukelstuhl oder am Sekretär… aber auch wahnsinnig gern in der U-Bahn oder Tram. Auch ICEs und Fernbusse eignen sich super – es sei denn, ich werde von neugierigen Mitreisenden angesprochen. Durch meinen chaotischen Alltag nutze ich einfach jede Gelegenheit, die sich mir bietet, zum Schreiben.

Schreibst du einfach drauf los oder recherchierst du erst, planst, legst Notizen an, bevor du zu schreiben beginnst?

Ich denke, das hab ich bereits beantwortet: Stratege durch und durch. Allerdings kann ich in all meinen Notizen und Ideensammlungen und Dokumenten mit Steckbriefen zu Charakteren und Hintergrundinformationen schon mal untergehen. Und natürlich wachsen sie alle auch während des Schreibens noch fleißig weiter.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt, zu schreiben?

Ich erschaffe Geschichten, seit ich denken kann. Mein Manko früher: Meine lausige Rechtschreibung. Aber da hat es irgendwann Klick gemacht und jetzt lektoriere ich die Texte anderer und mache kaum noch Fehler (es sei denn, ich schreibe so schnell wie möglich irre viele Interview-Antworten – da können sich schon mal Tippfehler einschleichen). Ich finde aber Schreibkurse ungemein wertvoll und wichtig. Man muss sicher den richtigen Lehrmeister für sich finden. Bei dem auch der Stil passt und die Sympathie da ist.

Generell als ein vielseitig kreativer Mensch, der nichts von dem, was er heute tut, wirklich aktiv lernen musste, sage ich: Man kann jeden Beruf lernen. Alles. Vom Herzchirurg bis zum Fußballprofi, vom Biochemiker bis zum Schriftsteller. Aber jeder Mensch hat andere Talente, die ihm bestimmte Berufe leichter machen als andere. Warum sich in einen Job hineinquälen, für den man nicht gemacht ist? Wenn ich nicht schon eine gewisse Veranlagung fürs Zeichnen oder Schreiben habe, warum dann langwierig Techniken lernen, um das zu begreifen, was der talentierte intuitiv tut? Wenn hingegen die Leidenschaft für etwas da ist, dann lohnt es sich auch, in diesem Bereich an sich zu arbeiten und alles mitzunehmen, dass einen dort besser macht.

Was bedeutet es für dich, Autor zu sein? Womit kämpfst du als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Autor zu sein bedeutet für mich, Welten erschaffen und meine Leser einzuladen, sie mit mir zu entdecken. Meine größten Herausforderungen heißen Zeitmangel und Kampf um Disziplin. Meine größte Freude sind Leser, die mir in Lesungen konzentriert und mit Freude zuhören oder mir auf Messen meine Bücher hinhalten, damit ich sie ihnen signiere. Das ist die einzige Form des Feedbacks.

Anders als Theaterschauspieler oder Musiker auf der Bühne, bekommen wir Autoren nur in wenigen Momenten direkt mit, wie unsere Geschichten auf unsere Leser wirken.

Was denkst du, ist wichtiger für einen guten Roman: Eine interessante Protagonistin, so dass der Leser mit ihr durch die Geschichte gehen will, oder aber eine packende Geschichte, die ihren eigenen Sog entwickelt?

Beides – UND ein guter Stil. Für mich muss inzwischen alles stimmen. Ich muss mich mit dem Protagonisten verstehen, verbrüdern, verbünden wollen. Wenn ich mich ständig aufregen, warum XY so handelt und nicht anders und wie man so kreuzdumm sein kann, dann habe ich keinen Spaß an der Geschichte. Ebenso packt mich eine Geschichte nicht, wenn die Handlung mich nicht mit sich zieht. Aber ich glaube, am wichtigsten ist für mich der Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Ich komme zum Beispiel überhaupt nicht damit zurecht, wenn ein Buch im Praesens (der Gegenwart) verfasst ist. Wenn dann der restliche Schreibstil nicht rhythmisch ist (ich finde, auch Geschichten haben eine Art Melodie, die gut klingen muss). Dann breche ich ab und an sogar mal ein Buch ab.

Weißt du noch, wo und wie du erfahren hast, dass dein Buch veröffentlicht werden soll?

Für Nafishur – mit dem ich damals meine Agentur fand – habe ich dann das Selfpublishing gewählt. Da erinnere ich mich aber gern an den Moment, als ich Dariel und Cara endlich gedruckt in Händen halten konnte. Auf der Leipziger Buchmesse war das damals – denn ich war schneller dort als die Bücher. Es war der Messesamstag und ich unterbrach extra die Autorenrunde, als ich hörte, dass mir eine Freundin die Bücher aus Berlin hinterhergefahren hatte.

Bei Houston Hall – meinem ersten Verlagsbuch – lief alles über meine Agentur, die von Anfang an davon überzeugt war, dass dieser Titel veröffentlicht werden würde. Besonders war der Moment, in dem ich dann nach viel Hin und Her und langen Verhandlungen endlich den Verlagsvertrag in Händen hielt und unterschrieb. Das war am 6.6. im vergangenen Jahr.

Hast du dich am Erscheinungstag in den nächsten Buchladen gestürzt um zu sehen, wie es dort präsentiert wird?

Das hätte ich sehr gern. Aber das ist ein Luxus, den nur sehr wenige deutsche Autoren haben. Es kommen pro Jahr so dermaßen viele Titel heraus – erst recht, wenn man auch noch die SP-Titel mitrechnet. Die Buchhändler haben keine Chance, auch nur einen Bruchteil aller Neuerscheinungen pünktlich ins Regal zu stellen. Dafür muss man schon ein Bestselling Autor sein. Aber ich habe mich mit meinen Büchern auf Buchhandlungen gestürzt, damit die dann meine Bücher ins Sortiment aufnehmen und jedes Mal, wenn ich ein „Ja“ höre, freue ich mich riesig.

Dafür hilft es übrigens, wenn ihr die Bücher nicht bei Amazon bestellt, sondern bei Eurem Buchhändler vor Ort.

Ist ein Erscheinungstermin eines Buches genauso aufregend wie die Geburt eines Kindes, ist ja auch irgendwie ein Baby?

Den Vergleich habe ich ja vorhin auch gebracht. Genau. Aber da ich selbst noch nicht das Glück habe, mich Mutter nennen zu dürfen, werde ich mich hüten, diesen unglaublichen Moment mit dem Entstehen eines Produkts zu vergleichen. Ich glaube, letztlich ist nichts mit dem Moment vergleichbar, Leben in den Armen zu halten, dass man selbst erschaffen hat.

Und doch: Zumindest kann ich für mich sagen, dass meine Bücher für mich wie meine Kinder sind. Die meisten Bücher und Manuskripte begleiten mich jetzt schon seit vielen Jahren. Sie reifen in mir, sie wachsen und irgendwann ist es dann so weit und sie stellen sich der Welt und ihrem Urteil. Zumindest darin ist sich beides sicher ähnlich. Genauso wie wir Autoren sehr empfindsam sind, wenn jemand unsere „Kinder“ öffentlich angreift oder schlecht macht. Haben wir doch Monate und Jahre in ihr Wachstum gesteckt und sind stolz auf sie und all die Arbeit, die in ihnen steckt.

Wer darf als erstes dein Manuskripte testlesen?

Das ist – ob sie will oder nicht – meine Mutter. Schon bevor es „Das Manuskript“ ist. Denn ihr lese ich immer schon einzelne Kapitel vor oder Szenen – wann immer ich wieder in die Szene/Stimmung kommen muss oder mir nicht sicher bin, ob alles so ideal ist. Glücklicherweise ist sie ein knallharter Kritiker (auch wenn ich im Augenblick der Kritik das Ganze selten als Glück empfinde).

Wie viele Bücher hast du schon insgesamt geschrieben, wenn auch nicht veröffentlicht?

Uff! Zählen nur komplette? Dann nur die veröffentlichten. Wenn auch die zählen, deren Konzepte und Exposés auf Verarbeitung warten und die nur eine Leseprobe besitzen, dann gäbe es Dutzende (von denen viele auch nicht nur „Bücher“ sind oder werden, sondern Trilogien und ganze Reihen). Sollte ich ab heute keine neuen Ideen mehr haben, müsste ich trotzdem noch bis ins hohe Alter durchschreiben können. 😀

Hast du Mitspracherecht bei den Covern deiner Bücher?

Mehr als das. Da ich auch als Coverdesignerin arbeite, lege ich großen Wert darauf, dass meine Bücher zu 100% Cronos sind. Ich bin überglücklich, dass mir dies auch für mein Verlagsbuch geglückt ist. Dort war man überraschend schnell überzeugt.

Wie haben deine Familie und dein Umfeld reagiert, als du das Schreiben von Büchern angefangen hast?

Sehr unterschiedlich. Meine Eltern gehörten in die Kategorie „Du schreibst ja schöne Geschichten, aber lern lieber was Anständiges“. Inzwischen steht meine Mutter allerdings voll hinter mir – nicht zuletzt, weil sie ein totaler Bücherjunkie ist und mindestens 1-2 Bücher pro Woche verschlingt. Mein Vater hat die Veröffentlichung meiner ersten Bücher leider nicht mehr erleben dürfen. Ich frage mich oft, was er davon halten würde. Mein Bruder ist leider das komplette Gegenteil zu mir. Er besitzt nicht ein Buch und kann dementsprechend wenig mit meiner Leidenschaft anfangen. Dafür beginnt sein Sohn inzwischen (er lernt gerade das Lesen und Schreiben), begeistert Fragen zu stellen und wir haben beschlossen, zusammen ein Kinderbuch zu schreiben.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war, als dein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde?

Es gab für Houston Hall sogar mehrere Verlagsangebote. Das hat mich besonders glücklich gemacht. Ich glaube, ich bin durch die Wohnung getanzt. 😀

Wann kam erstmals der Wunsch auf, ein Buch schreiben zu wollen?

Hmmm. Geschrieben habe ich schon immer gern. Das waren aber primär Gedichte, Metaphern und Kurzgeschichten. Dann kam in der Oberstufe das RPG als Hobby dazu. Ich habe diese Forenrollenspiele geliebt und noch lange in mein Studium hinein mit Freunden gespielt. Anfangs waren es RPGs zu existierenden Geschichten (Twilight, Vampire Diaries, etc pp). Und dann finden meine Freunde an, wählerischer zu werden und es hieß „Du denkst Dir immer so coole Plots aus. Mach mal was Eigenes“. So entstanden die RPGs zu Nafishur und Houston Hall – vor +/- 10 Jahren. Und je komplexer diese Geschichten wurden, die ich da konstruierte, desto mehr dachte ich darüber nach, sie als Geschichten niederzuschreiben. Damals noch eher für mich und meine Freunde. Aber vor allem die Planung an Nafishur „eskalierte“ dann leicht und bei Hintergrundinformationen über 200+ Seiten zu einer Welt entstand irgendwann regelrecht die Notwendigkeit, daraus richtige Bücher zu machen. Und da begann ich, mich zu informieren, auf Buchmessen zu rennen, Vorträgen zu lauschen, Workshops zu besuchen – um zu lernen, wie man das macht: Ein Buch veröffentlichen.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinem Buch?

Viele aus allen. Aber aktuell liebe ich vor allem das Gedicht, das ich für Houston Hall geschrieben habe. Die erste Strophe steht am Beginn des Buches, die zweite an seinem Ende. An dieser Stelle sei die erste Strophe zitiert. Die andere könnt ihr selbst nachlesen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten – sagt man.
Doch scheint niemand recht bedacht zu haben,
Das so ein Licht sehr wohl alleine strahlen
Doch Schatten nicht von selbst sein kann.

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