Quasselwolke: Autorin Diandra Linnemann

Heute stellen wir euch die Autorin Diandra Linnemann vor, sie ist auf die Quasselwolke gestiegen und hat sich unseren Fragen gestellt.

 

Zu deiner Person:

Wer bist du? Wie würdest du deine Biographie erzählen?

In jambischen Pentametern – im Ernst, ein Gedicht wäre doch eine nette Abwechslung. Leider habe ich noch nicht viel erreicht, was sich für ein Versepos eignet. Geboren wurde ich 1982, danach ist lange Zeit nichts passiert. Dann Übersetzerstudium in Bonn, Arbeit als Übersetzerin medizinischer Texte, parallel habe ich einige Bücher geschrieben und mehr Katzenhaare von unseren Möbeln entfernt, als man für möglich halten sollte.

Wenn du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Schlagfertig, geduldig, verstreut, rebellisch.

Welches Sternzeichen bist du?

Skorpion – vor kurzem hat mein Lebensgefährte mich darauf hingewiesen, dass mein „Primal Zodiac Sign“ (http://www.primalastrology.com/) „Oktopus“ ist, das war eine interessante Lektüre.

Welchen Fehler entschuldigst du am ehesten?

Wenige. Ich bin irgendwie schon Perfektionistin und habe hohe Ansprüche an meine Umwelt, doch ich versuche, Verständnis zu zeigen, wenn jemand – auch ich selbst – diesen Ansprüchen nicht gerecht wird.

Wer ist dein liebster Romanheld?

Im Moment gehen mir immer noch Toby und Zeb aus Margaret Atwoods Büchern um „MaddAddam“ im Kopf herum. Ob das jetzt Helden im eigentlichen Sinn sind, kann ich gar nicht so genau sagen.

Wer ist dein Lieblingsheldinnen/ -helden in der Wirklichkeit?

Heldenverehrung ist zwar potenziell riskant, aber die Leute, die auf dem Mittelmeer die Schiffbrüchigen retten, stehen ziemlich weit oben auf der Liste.

Wer ist dein Lieblingsmusiker?

Loreena Mckennitt, die Googoo Dolls, Bon Jovi, Florence and the Machine

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Ich mache im Alltag fast nur Dinge, die ich gerne tu (außer Steuererklärung). Zum Abschalten lese ich gerne oder schaue mir Kriminaldokumentationen an, das entspannt.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Grün.

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?

Neil Gaiman.

Was verabscheust du am meisten?

Rosenkohl? Schwer zu sagen, „Abscheu“ ist so ein starkes Wort.

Welche natürliche Gabe möchtest du besitzen?

Ausgeglichenheit.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Gute Frage … ich habe geschrieben, solange ich mich zurückerinnern konnte. Mit dem ersten größeren Projekt habe ich begonnen, weil mir die Geschichte von Armin, dem Cherusker, und seiner Verlobten Thusnelda nicht aus dem Kopf gegangen ist. Das Ergebnis, obwohl Erstlinge eigentlich in der Schublade bleiben sollten, kann man unter dem Titel „Der Hirschkönig“ nachlesen.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Die Geschichte muss mich beim Schopf packen – wenn ich wissen will, wie es weitergeht, ist das Genre fast egal. Es ist nicht einmal nötig, dass ich die Charaktere wirklich sympathisch finde. Das Schlimmste ist, wenn mir mittendrin aufgeht, dass das Schicksal der Figuren mich nicht (mehr) interessiert.

Wo liest du am liebsten?

Überall.

Hast du ein Lebensmotto?

„Remember that you’re perfect – the gods make no mistakes.“

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Mein erstes eigenes Buch war die Kinderbibel nach Ann de Vries, und das zweite eine Horrorgeschichtensammlung für Erwachsene: „Eine Braut fürs Jenseits“ (da war ich vier). Außerdem hatten wir „Tina und Tini“ und „Hanni und Nanni“, „Die fünf Freunde“, „Die drei ???“ und Sherlock Holmes. Ich habe alles gelesen, was mir in die Finger kam.

Welches Buch MUSS man unbedingt gelesen haben?

„Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger. Ich flenne jedes Mal am Ende, dabei mag ich eigentlich gar keine Liebesgeschichten. Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig angelegt, der dramatische Ausgang steht von Anfang an fest und man hofft entgegen aller Ankündigungen mit den Figuren auf ein Happy End.

Hast du ein Lieblingsbuch?

„American Gods“ von Neil Gaiman.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Urlaub?

Ich weiß nicht, wie es anderen geht – mein Tag ist immer erst vorbei, wenn ich todmüde aufs Sofa kippe. Wenn wir in Urlaub fahren, ist mein Notebook eigentlich immer dabei, das war sogar schon mit auf Sizilien.

Wie sieht dein Alltag aus?

Meistens: Aufstehen, Haushalt, Büro, Sport, Schreiben, Tod.

Was bringt dich zum Lachen?

Mein Lebensgefährte und unsere Katzen.

Welches Hobbie hast du?

Für Hobbies bleibt wenig Zeit. Glücklicherweise koche ich gerne und kann beim Sport gut entspannen.

Wie siehst du dich in 10 Jahren?

Faltig und unscharf, denn ich werde eine neue Brille brauchen.

Hier darfst du sagen, was du schon immer einmal sagen wolltest:

Es tut mir gar nicht leid, ich werde es wieder tun – und niemand kann mich daran hindern!

Vervollständige folgende Sätze:

Ich bin süchtig nach

Kaffee.

Ich lese am liebsten Bücher aus dem Genre…

Fantasy und Horror.

Ich lese keine Bücher aus dem Genre…

Liebesroman.

Mein Lieblingsgetränk ist…

Kaffee.

Mein liebstes Liebeslied ist…

… das Elephant Love Medley aus dem Film „Moulin Rouge“.

Ich grusle mich vor…

… wenig.

Wenn ich ein Geist wäre, …

… wäre ich unsichtbar und immer nackt.

Wenn ich in einem Buch leben würde, wäre ich ...

… auf Seite drei tot.

Beim Schreiben esse ich….

… alles, wenn man mich lässt.

Kommen wir nun zum Schreiben

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Woher bekommst du die Ideen für deine Romane und Geschichten?

Ich bin vergesslich und leicht abzulenken, das kombiniert sich oft in extrem absurden Ideen. Die Idee zu „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ stammt von einer Wette nach einigen Cocktails.

Wie lange brauchst du für die Herstellung eines eigenen Buches?

Das variiert stark. Für den „Hirschkönig“ habe ich mehr als zehn Jahre von der ersten Idee bis zum gedruckten Buch benötigt. 2018 möchte ich bis Anfang November drei komplette Romane veröffentlicht haben – ich habe alle drei im ersten Halbjahr geschrieben und stecke gerade in der Überarbeitungsphase für den zweiten. Ob die Methode etwas taugt? Werden wir sehen. Allerdings ist dieses Projekt auch einfacher, weil es die letzten drei Bände einer Serie sind, ich also Charaktere und Welt bereits gut kenne.

Welche Medien durchforstest du vor dem Bücherschreiben?

Alle. Heutzutage in erster Linie das Internet, aber ich schaue auch Dokumentationen zum Thema, lese Fachliteratur und schaue, was andere Leute in meinem geplanten Genre schon an Büchern, Filmen und Serien fabriziert haben.

Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?

Rein theoretisch ist der supergemütlich. Leider räume ich nie auf, also stapeln sich hier Papiere, Kabel und Katzen.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Da ich einen Vollzeit-Bürojob habe, muss ich mir meine Schreibzeit gut einteilen. Ich versuche, jeden Tag tausend Wörter zu schreiben (in der Schreibphase) oder mindestens zehn Seiten zu überarbeiten. In der Ideenphase lässt sich das weniger gut definieren. Eigentlich bin ich ein Morgenmensch, aber in unserem vollen Alltag ist die Zeit nach dem Abendessen diejenige, die ich am leichtesten zum Schreiben freischaufeln kann.

Wie machst du auf deine Werke im Web aufmerksam?

Wildes Jodeln auf allen Kanälen: Facebook, Twitter, Blog, Instagram. Allerdings bin ich nicht gerade ein Marketinggenie.

Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?

Je detaillierter der Plan ist, den ich vorab mache, desto besser geht das Schreiben von der Hand. Allerdings biegen mir Charaktere regelmäßig mittendrin vom Weg ab, und dann folge ich ihnen auch gerne. Die Geschichten, die dabei rauskommen, sind oft besser als das, was ich ursprünglich geplant hatte.

Welches deiner Bücher magst du besonders?

Immer das, das ich als Nächstes schreibe. ^^

Wie suchst du passende Passagen für eine Lesung heraus, ohne zu spoilern?

Ich versuche, unterschiedliche Szenen aus dem ersten Drittel des Buches zusammenzustellen, die möglichst viele Facetten zeigen und bei denen ich nicht zu viel erklären muss. Manchmal äußern Leute auch Wünsche, denen komme ich natürlich gerne nach.

Hast du in deinem Buch einen Lieblingscharakter?

Alle Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Ich weiß definitiv, dass ich meine magische Amateurdetektivin Helena Weide aus „Magie hinter den sieben Bergen“ sehr vermissen werde, wenn nach neun Bänden im November endlich Schluss ist.

Identifizierst du dich selbst mit einen deiner Figuren?

Eigentlich nicht. Ich bin ziemlich langweilig und wehleidig.

Gibt es reale Personen, die dich zu deinen Figuren inspirieren?

Andrea aus „Andrea die Lüsterne“ wurde von einer guten Freundin inspiriert – das ist diejenige, die mir auch die Wette eingebrockt hat. Strafe muss sein.

Hast du eine Lieblingsszene?

Einige. Band Neun von „Magie hinter den sieben Bergen“ besteht fast nur aus Lieblingsszenen, weil ich meine Charaktere in ein paralleles Märchenuniversum entführe. Dort gibt es beispielsweise einen Würstchenbaum, und alles ist möglich.

Hast du reale Vorbilder für Szenen im Kopf gehabt?

Ich arbeite oft mit Schauplätzen, die ich schon in echt besucht habe, damit ich alles auch ausreichend realistisch beschreiben kann. Man könnte mit mir durch Bonn gehen und nacheinander die Schauplätze vieler Geschichten abklappern.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Ich beende „Magie hinter den sieben Bergen“ und plane parallel einen dystopischen Familienthriller mit esoterischen und Science-Fiction-Elementen. Das klingt viel langweiliger, als es später wird, hoffe ich.

Hast du auch mal Schreibblockaden, also Tage an denen gar nichts mehr geht?

Selten – aber das liegt in erster Linie am Training. Ich sitze jeden Tag am Schreibtisch, natürlich vermisse ich das dann auch schnell. Früher gab es Tage, da habe ich laut gejammert und vielleicht zweihundert Wörter geschrieben, die alle Mist waren. Aber ich saß am Schreibtisch. Heute ist mir viel klarer, was ich tue. Und die detaillierten Plots helfen auch.

Wann und wo schreibst du?

Die Hauptarbeit findet zwischen Abendessen und zehn Uhr in meinem Büro/Gästezimmer zu Hause statt. Manchmal nehme ich mir Dokumente zum Probelesen auf dem Kindle mit und setze mich auf den Balkon. Und wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein Notizbuch in der Tasche, für Notfälle.

Schreibst du einfach drauf los oder recherchierst du erst, planst, legst Notizen an, bevor du zu schreiben beginnst?

Auf jeden Fall habe ich einen möglichst detaillierten Plot und kenne mich mit den wesentlichen Themen aus. Für mein nächstes Projekt benötige ich einiges an technischem Wissen, dafür quetsche ich meinen Lebensgefährten aus und werde mich vorab gründlich einlesen. Das gibt mir auch neue Ideen dazu, was in Zukunft alles möglich sein wird, und womit sich meine Charaktere alles herumschlagen dürfen.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt, zu schreiben?

Einfach draufloszuschreiben ist die umständlichste Art, und genau so habe ich es gemacht – wobei ich natürlich auch jeden einzelnen verflixten Anfängerfehler gemacht habe. Später sind Schreibratgeber und auch ein wirklich nützlicher Kurs dazugekommen, von denen ich eine Menge gelernt habe. Mit der Kursleiterin habe ich heute noch Kontakt und frage sie gelegentlich um Rat. (Link:

Was bedeutet es für dich, Autor zu sein? Womit kämpfst du als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Für mich ist das Schreiben eine Möglichkeit, mich auszuleben und die Welt zu verändern. Komme ich ein paar Tage nicht an den Schreibtisch, werde ich unleidig. Allerdings kämpfe ich mit dem Zeitmangel. Zu den Freuden gehört neben dem Schreiben selbst, wenn ich positive Rückmeldung zu meinen Geschichten erhalte. Das ist die Bestätigung, dass ich jemanden erreicht habe und nicht nur ins Vakuum schreibe.

Was denkst du, ist wichtiger für einen guten Roman: Eine interessante Protagonistin, so dass der Leser mit ihr durch die Geschichte gehen will, oder aber eine packende Geschichte, die ihren eigenen Sog entwickelt?

Die Geschichte ist meiner Meinung nach wichtiger, aber da sie zu einem großen Teil durch die Protagonisten getragen wird, ergänzt sich das. Ich würde einem liebenswerten Charakter nicht seitenlang beim Kartoffelschälen zusehen, aber ich würde dem finstersten Fiesling in eine interessante Ecke des Universums folgen.

Weisst du noch, wo und wie du erfahren hast, dass dein Buch veröffentlicht werden soll?

Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, als zum ersten Mal eine eMail von Kindle Direct Publishing kam, mein Buch sei ab sofort auf der Homepage erhältlich. Das war unglaublich aufregend, ich habe den Link bestimmt ein Dutzend Mal angeklickt.

Hast du dich am Erscheinungstag in den nächsten Buchladen gestürzt um zu sehen, wie es dort präsentiert wird?

So etwas passiert Winz-Autoren wie mir nicht. Aber ich arbeite daran.

Ist ein Erscheinungstermin eines Buches genauso aufregend wie die Geburt eines Kindes, ist ja auch irgendwie ein Baby?

Dazu kann ich nichts sagen, ich habe keine Kinder. Allerdings ist ein Buch nicht so verheerend für die Figur, wenn man von den Keksorgien absieht.

Wer darf als erstes deine Manuskripte testlesen?

Meine beste Freundin. Wir haben letztes Jahr zwanzigjähriges Jubiläum gefeiert, und sie kennt meinen verdrehten Verstand in- und auswendig. Das Buch „Lichterspuk“ aus der „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe spielt in unserem Heimatort, das ist ihr gewidmet.

Wie viele Bücher hast du schon insgesamt geschrieben, wenn auch nicht veröffentlicht?

Zwölf Romane (davon neun veröffentlicht), eine Novelle, eine Kurzgeschichtensammlung und diverse Kurzgeschichten für Anthologien.

Hast du Mitspracherecht bei den Covern deiner Bücher?

Bei meinen selbstveröffentlichten gestalte ich die Cover selbst. Für die Sammelbände von „Magie hinter den sieben Bergen“ habe ich eine gute Freundin beauftragt und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden, wir besprechen viel. Bei „Andrea die Lüsterne …“ aus dem Chaospony Verlag hatte ich auch Mitspracherecht, war aber direkt in den ersten Entwurf der Verlegerin derart verliebt, dass ich das Schicksal des Covers komplett in ihre Hände gelegt habe.

Wie haben deine Familie und dein Umfeld reagiert als du das Schreiben von Büchern angefangen hast?

Sie tolerieren es. Meine Patentante macht sich Sorgen, woher ich diese „ekligen“ Ideen kriege, aber das ist in Ordnung – nicht alle Geschichten sind für alle Zuhörer gedacht. Und mein Lebensgefährte schickt mich an den Schreibtisch, wenn ich unausstehlich werde.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war als dein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde?

Aufregend. Ich hatte mir fest vorgenommen, die erste eigenständige Verlagsveröffentlichung vor meinem fünfunddreißigsten Geburtstag zu haben, und drei Wochen vor dem Stichtag war es dann auch so weit. Ich war gleichzeitig stolz wie Bolle und extrem aufgeregt, schließlich hat man es als geistige Mutter eines lila Tentakelwesens heutzutage nicht leicht.

Wann kam erstmals der Wunsch auf, ein Buch schreiben zu wollen?

Der war schon immer da. Klingt wie ein Klischee, ist aber so.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinem Buch?

„Was, zum Henker, sollte ich im wandelnden Friedhof?“

©
Cover und Bild: Diandra Linnemann

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