Quasselwolke: Autorin Ingrid Zellner

Heute stellen wir euch die Autorin Ingrid Zellner vor, sie ist auf die Quasselwolke gestiegen und hat sich unseren Fragen gestellt.

Zu deiner Person:

Wer bist du? Wie würdest du deine Biographie erzählen?

Ich bin ein Theatermensch; nicht nur habe ich achtzehn Jahre lang als Dramaturgin gearbeitet, u.a. an der Bayerischen Staatsoper – ich stehe auch oft und gern selbst auf der Bühne, und das seit frühester Kindheit. Seit zehn Jahren bin ich freiberufliche Übersetzerin (Schwedisch) und Autorin. Ich bin glücklicher Single, lebe in Bayern und träume von einem eigenen kleinen Holzhaus in Schweden.

Wenn du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Positiv, pflegeleicht, minimalistisch

Welches Sternzeichen bist du?

Schütze

Welchen Fehler entschuldigst du am ehsten?

Unabsichtlich gemachte.

Wer ist dein liebster Romanheld?

Arn Magnusson (in der Kreuzritter-Trilogie von Jan Guillou).

Wer ist dein Lieblingsheldinnen/ -helden in der Wirklichkeit?

Meine Eltern.

Wer ist dein Lieblingsmusiker?

Helen Sjöholm und Yana Mangi.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Spazierengehen. Musik hören. Und indisch essen gehen.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Das war lange Zeit ausschließlich Blau; inzwischen tendiere ich eher zu Bunt – vor allem Rot, Orange und Grün gehen bei mir immer.

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?

Da kann und will ich mich nicht festlegen. Es gibt viele, die ich wirklich gern lese – und keiner davon sticht so heraus, dass ich sagen könnte: Ja, der/die ist meine Nummer 1.

Was verabscheust du am meisten?

Unmenschlichkeit.

Welche natürliche Gabe möchtest du besitzen?

Fliegen, frei wie ein Vogel.

Wie bist du zum schreiben gekommen?

Geschichten erzählt habe ich schon als Kind – aber meistens nur mir selbst. Besonders gern habe ich am Ende eines Films oder einer Oper herumgesponnen, wie es weitergehen könnte. Aufgeschrieben habe jedoch ich nichts davon. Das kam erst, als ich vor neun Jahren Lust auf eine Fanfiction bekam. Irgendwann hatte ich dann Blut geleckt, und ab 2015 ging ich das Schreiben ernsthaft an.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ein Spannungsbogen, der vom Anfang bis zum Schluss hält. Eine gut durchdachte Geschichte. Und ein Schreibstil, bei dem das Lesen Spaß macht.

Wo liest du am liebsten?

Auf meinem Balkon.

Hast du ein Lebensmotto?

Wenn es sein muss, kann man alles.

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Schneider-Bücher ohne Ende. Dazu so ziemlich alles von Astrid Lindgren und später Berte Bratt.

Welches Buch MUSS man unbedingt gelesen haben?

„Krabat“ von Otfried Preußler. Das ist in punkto durchdachter Dramaturgie und spannender Erzählung für mich nach wie vor ein Meisterwerk.

Hast du ein Lieblingsbuch?

Nein. Beziehungsweise viele. „Siddhartha“ von Hermann Hesse zum Beispiel. „Treibsand“ von Henning Mankell. Die Arn-Magnusson-Trilogie von Jan Guillou. (Und außer Konkurrenz: die Kashmir-Saga von Simone Dorra und mir.)

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Urlaub?

Na klar. (Gedankenspiele bzw. Notizen zwischendurch sind ja nicht verboten.)

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich bin notorischer Frühaufsteher, und das einzige „Pflichtprogramm“ des Tages ist mein Morgenkaffee. Alles andere hängt davon ab, was gerade ansteht. Da ich Freiberufler bin, kann ich mir meine Zeit frei und bedarfsorientiert einteilen.

Was bringt dich zum lachen?

Komik, mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe und die mich deshalb völlig unerwartet „überfällt“.

Welches Hobbie hast du?

Theater. Vor allem Schauspiel, aber auch Regie.

Wie siehst du dich in 10 Jahren?

Im Idealfall wohnhaft in Schweden und/oder in einem Tiny House.

Hier darfst du sagen, was du schon immer einmal sagen wolltest:

Abenteuer beginnen, wo Pläne enden. (Steht erst seit kurzem auf der Liste meiner Lieblingsstatements und bringt im Moment ordentlich Unruhe in mein Leben…)

Vervollständige folgende Sätze:

Ich bin süchtig nach

…dem Norden: Schweden, Island, Arktis etc. (Schnee und Eis inklusive.)

Ich lese am liebsten Bücher aus dem Genre…

Krimi. Geb ich offen zu.

Ich lese keine Bücher aus dem Genre…

Horror. Ist nicht wirklich meins.

Mein Lieblingsgetränk ist…

Leitungswasser. (Und Kaffee. Schwarz.)

Mein liebstes Liebeslied ist…

„Det Vackraste“ von Cecilia Vennersten.

Ich grusel mich vor…

…jeder Form von Populismus und Intoleranz.

Wenn ich ein Geist wäre,…

…dann hätte ich schon ein paar Kandidaten, die ich liebend gerne heimsuchen würde.

Wenn ich in einem Buch leben würde, wäre ich...

…ein Mann. (Auch wenn ich im realen Leben gerne eine Frau bin, aber es gibt doch entschieden mehr männliche Buchfiguren, in deren Schuhe zu schlüpfen ich große Lust hätte.)

Beim schreiben esse ich….

…gar nichts. Aber ich trinke viel Kaffee.

Kommen wir nun zum Schreiben

Woher bekommst du die Ideen für deine Romane und Geschichten?

Am Anfang steht bei mir immer eine Art Samenkorn. Das kann eine Vision sein (wie bei „Malin und das weiße Rentier“), ein seltsamer Traum („Gnadensee“), eine inspirierende Gegend („Adlerschanze“) oder ein simples Handlungs-Motiv („Der Weg aus der Finsternis“). Diese Samenkörner stecke ich in die Erde (sprich: meine Phantasie) und lasse sie dort erst mal in Ruhe. Wenn sie von selbst austreiben und vor meinem inneren Auge allmählich Gestalt annehmen (sprich: mich nicht mehr loslassen), dann weiß ich: Daraus könnt was werden. Und dann hege und pflege und gieße ich das Pflänzchen so lange, bis am Ende ein Plot vor mir liegt.

Wie lange brauchst du für die Herstellung eines eigenen Buches?

Im Schnitt drei, vier Monate. (Ohne die nachfolgende Arbeit des Verlags.)

Welche Medien durchforstest du vor dem Bücher schreiben?

Soweit möglich, informiere ich mich direkt vor Ort, gehe auf Location-Hunting und besuche Menschen, die mir meine Fragen zu den unterschiedlichsten Themen- und Fachgebieten beantworten können. Alles andere recherchiere ich überwiegend online.

Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?

Isch ‘abe keinen Schreibtisch. Ich schreibe am liebsten in einem bequemen Sessel, Füße hochgelegt und mit dem Laptop auf dem Schoß.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Ich denke, jeder Schriftsteller hat seine eigenen Methoden und Routinen. Aber für mich gehört auf jeden Fall dazu: mehrere Stunden am Stück konzentriert schreiben. Ansonsten kommt man nicht weit.

Wie machst du auf deine Werke im Web aufmerksam?

Über meine Website www.ingrid-zellner.de und auf meiner Facebook-Autorenseite www.facebook.com/ZellnerIngrid . (Die Kashmir-Saga hat sogar ihre eigene Website: www.kashmirsaga.de )

Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?

Eine Plot-Dispo gibt es bei mir immer (was sich vor allem bei Krimis unbedingt empfiehlt). Aber Geschichten haben ihren eigenen Kopf, und wenn ich merke, dass sich ein Charakter oder womöglich sogar die komplette Handlung beim Schreiben verselbstständigt (ist alles schon vorgekommen!!), dann gehe ich darauf ein, sage: „Okay, dann macht mal, wie ihr euch das denkt“ – und schreibe mit. Meistens stelle ich danach fest, dass die Geschichte recht hat, und greife die neuen Ideen so weit wie möglich auf.

Welches deiner Bücher magst du besonders?

„Malin und das weiße Rentier“, weil es meine Liebeserklärung an Nordschweden und das indigene Volk der Sámi ist. Die Kashmir-Saga, die ich zusammen mit Simone Dorra schreibe. Und ganz aktuell die „Adlerschanze“, die Ende Juli in Hinterzarten so eine unvergessliche Buchpremiere gefeiert hat.

Wie suchst du passende Passagen für eine Lesung herraus, ohne zu spoilern?

Am ehesten bietet sich dafür meist der Beginn des Buches an, wenn der Zuhörer also noch ebenso ganz am Anfang steht wie der Leser. Zudem suche ich mir Stellen aus, die ich wie eine Bühnenaufführung präsentieren kann, also Dialoge, spannende Szenen – je mehr ich die Leute mitreißen kann, desto besser. (Und ganz ehrlich, notfalls streiche ich eine Spoiler-Stelle vorher kurzerhand raus.)

Hast du in ideinem Buch einen Lieblingscharakter?

Raja Sharma in der Kashmir-Saga. Ohne Wenn und Aber. Ich liebe den Mann.

Identifizierst du dich selbst mit einen deiner Figuren?

Nein. Ich fühle oft sehr mit ihnen mit und denke wie sie, aber identifizieren – nein.

Gibt es reale Personen, die dich zu deinem Figuren inspirieren?

Ist schon vorgekommen. Aber bislang ist daraus noch jedes Mal eine Figur geworden, die ganz und gar „meine“ ist. Einzige Ausnahme: Georg Thoma, den ich (mit seiner Erlaubnis) höchstpersönlich in meinem Krimi „Adlerschanze“ habe mitwirken lassen.

Hast du eine Lieblingsszene?

Mehrere. Und keine kann ich hier nennen, ohne zu spoilern. 😉

Hast du reale Vorbilder für Szenen im Kopf gehabt?

Nur, wenn ich reale Ereignisse und Ortschaften schildere. Was vor diesem Hintergrund alles passiert, entsteht ganz und gar in meiner Phantasie – und läuft dann wie ein Film vor meinem inneren Auge ab, während ich es niederschreibe.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Aktuell arbeiten Simone Dorra und ich an unserem gemeinsamen Krimi „Mordshass“, in dem wir unsere beiden Kommissare – ihren Malte Jacobsen und meinen Surendra Sinha – aufeinander loslassen.

Hast du auch mal Schreibblockaden, also Tage an denen gar nichts mehr geht?

Tage, an denen es mal nicht so gut läuft, gibt es immer. Ein Mensch ist keine Maschine, und den Begriff „Tagesform“ gibt es überall, auch bei Autoren. Aber eine regelrechte Blockade hatte ich zum Glück noch nie.

Wann und wo schreibst du?

Bevorzugt tagsüber (ich bin keine Nachteule) und in meinen eigenen vier Wänden.

Schreibst du einfach drauf los oder recherchierst du erst, planst, legst Notizen an, bevor du zu schreiben beginnst?

Ohne Vorarbeit geht bei mir üblicherweise nichts. Ich plane den Plot grob durch, damit ich einen roten Faden habe (spätere Verselbstständigungen der Geschichte natürlich nicht ausgeschlossen), ich gebe zumindest den Hauptfiguren schon mal Gesicht und ein bisschen Fleisch aufs Skelett, ich recherchiere und gehe nach Möglichkeit auf Location-Hunting. Aber ich gebe zu, ich träume davon, irgendwann auch einfach mal drauflos zu schreiben und dann abzuwarten, wie sich alles entwickelt. Vielleicht probier ich das demnächst mal aus.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt, zu schreiben?

Jeder lernt anders. Die einen studieren ein Fach in der Theorie, andere lernen eher praxisnah, Stichwort „learning by doing“. Für mich ist das wie bei Fremdsprachen: Ein gewisses Gespür dafür ist grundsätzlich hilfreich, und natürlich kann man in einem Kurs Grammatik und Wortschatz büffeln, aber mit der Sprache umzugehen, sie im Alltag zu lesen, zu verstehen und zu sprechen – das lernt man am besten vor Ort und in der Praxis. So hab ich jedenfalls Schwedisch gelernt: nicht in einem Kurs, sondern live in Schweden. Und mit dem Schreiben ging’s mir genauso: die Ohren vor guten Ratschlägen zur Verbesserung meines Stils nie verschließen – und ansonsten ins kalte Wasser springen und schwimmen.

Was bedeutet es für dich, Autor zu sein? Womit kämpfst du als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Autor zu sein bedeutet für mich, meine Gedanken und meine Geschichten mit meiner Mitwelt zu teilen – anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, in meine Geschichten einzutauchen und möglichst spannende Stunden damit zu verbringen. Wenn sie ihre Freude an meinen Büchern haben, dann ist das auch meine Freude.

Was denkst du, ist wichtiger für einen guten Roman: Eine interessante Protagonistin, so dass der Leser mit ihr durch die Geschichte gehen will, oder aber eine packende Geschichte, die ihren eigenen Sog entwickelt?

Die interessanteste Protagonistin nützt nichts ohne eine spannende Geschichte. Aber im Idealfall hat der Roman natürlich beides!

Weisst du noch, wo und wie du erfahren hast, dass dein Buch veröffentlicht werden soll?

Zuhause, beim Checken meiner Mails.

Hast du dich am Erscheinungstag in den nächsten Buchladen gestürzt um zu sehen, wie es dort präsentiert wird?

Nein. Da bin ich irgendwie Pragmatiker.

Ist eine Erscheinungstermin eines Buches genauso aufregend wie die Geburt eines Kindes, ist ja auch irgendwie ein Baby ?

Ich habe selbst nie ein Kind zur Welt gebracht, also kann ich das schlecht vergleichen. Ein Unterschied dürfte in jedem Fall sein: Beim Buch weiß man vorher, was es wird und wie’s aussieht.

Wer darf als erstes dein Manuskripte testlesen?

Meine beste Freundin und Co-Autorin Simone Dorra und ihr Mann Kai.

Wie viele Bücher hast du schon insgesamt geschrieben, wenn auch nicht veröffentlicht?

Okay, zählen wir mal durch: Veröffentlicht sind bislang ein Kinderbuch, zwei Krimis und drei Romane = 6. Das Kinderbuch außerdem in Englisch = 7. Fertiggeschrieben sind der Roman „Kuckuckssohn“ (mit Simone Dorra; erscheint im Frühjahr 2019) und die abschließenden vier Kashmir-Saga-Bände, die in den nächsten Jahren veröffentlicht werden. Also insgesamt zwölf, davon die Hälfte in Zusammenarbeit mit Simone Dorra.

Hast du Mitspracherecht bei den Covern deiner Bücher?

Ja. Und darauf würde ich auch immer wieder bestehen.

Wie hat deine Familie und dein Umfeld reagiert als du das Schreiben von Büchern angefangen hast?

Meistenteils freundlich interessiert.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war als dein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde?

Es war ein etwas surreales Gefühl.

Wann kam erstmals der Wunsch auf, ein Buch schreiben zu wollen?

In der Grundschule, als ich merkte, dass Aufsatzschreiben Spaß macht. Leider war ich dann jahrelang davon überzeugt, dass ich ein ganzes Buch niemals zustande bringe – oder vielleicht auch zum Glück, denn wer weiß, was für Jugendsünden ich sonst verbrochen hätte. Erst mit knapp 53 habe ich endlich den Weg zum guten Buch gefunden. (Wieder so ein Samenkorn, das wirklich in aller Ruhe hat reifen dürfen.)

Hast du ein Lieblingszitat aus deinem Buch?

Massenweise. Und ich hoffe, dass jeder meiner Leser sein eigenes Lieblingszitat findet.

www.ingrid-zellner.de

www.kashmirsaga.de

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4 Kommentare

  1. Dann Danke für die Antwort an die Autorin hat mir sehr gut gefallen…

    LG..Karin…

    1. Das freut mich sehr. Vielen Dank! 🙂

  2. Hallo Svenja,

    ist von dieser Autorin nicht die Weihnachtsgeschichte…Malin und das weiße Rentier….?

    LG..Karin…

    1. Wenn ich gleich selbst antworten darf: Ja, “Malin und das weiße Rentier” ist von mir. LG Ingrid

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