Quasselwolke: Autorin Katherina Ushachov

Quasselwolke: Autorin Katherina Ushachov

Heute stellen wir euch die Autorin Katherina Ushachov vor, sie ist auf die Quasselwolke gestiegen und hat sich unseren Fragen gestellt.

Zu deiner Person:

Wer bist du? Wie würdest du deine Biographie erzählen?

Was das angeht, bin ich recht öde – ich würde damit anfangen, wo ich geboren wurde (nämlich in Odessa, damals noch ganz knapp Sowjetunion), wann ich nach Deutschland eingewandert wurde und wo ich jeweils wie lange gelebt habe. Ich glaube nämlich fest daran, dass meine Herkunft und meine Wohnorte mich stark geprägt haben. Sehr stark.

Allein schon, dass ich im Alter von fast sieben Jahren nach Deutschland eingewandert bin und somit die “glorreichen” Postsowjetneunziger in der Ukraine zwar durch einen kindlichen Wahrnehmungsfilter, aber immerhin erlebt habe. Dadurch bin ich mit anderen Kinderbüchern, mit anderen Kindheitsheld*innen, mit einer anderen Sprache aufgewachsen und musste mich in Deutschland erst einmal finden und neu zusammensetzen.

Meine Biografie ist eine Geschichte der Migration und der Integration. Erst im neuen Land und in der Grundschule, dann zwölf Jahre später am anderen Ende Deutschlands und als erstes Mitglied meiner Familie an einer europäischen Universität.

Und schließlich in Österreich, wo ich mich trotz aller Widrigkeiten nach wenigen Monaten mehr zu Hause fühle als nach zwanzig Jahren in Deutschland.

Und dann, wenn diese Geschichte erzählt wäre, dann würde ich erzählen, was ich gerade mache – wenn ich nicht gerade Bücher schreibe, lektoriere ich die Bücher anderer Leute. Und es ist ein oft anstrengender Job, aber wunderschön.

Wenn du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Fleißig, chaotisch, wissbegierig

Welches Sternzeichen bist du?

Skorpion

Welchen Fehler entschuldigst du am ehesten?

Ich entschuldige bei anderen grundsätzlich eher Fehler als bei mir selbst. Solange es nicht gerade Verrat ist, dann auch so ziemlich jeden. Allerdings bin ich nachtragend. Entschuldigt heißt nicht, dass ich den Fehler vergesse.

Wer ist dein liebster Romanheld?

Spontan schießt mir “Harry Potter” in den Kopf. Auch nach all den Jahren noch.

Wer ist dein Lieblingsheldinnen/ -helden in der Wirklichkeit?

Joanne K. Rowling. Wenn jemand Bücher schreibt, die – laut einer Studie sogar erwiesenermaßen – in der Lage sind, Kinder und Jugendliche zu besseren Menschen zu machen … Das will ich auch können. Und ich bewundere sie für das, was sie an Charity tut.

Wer ist dein Lieblingsmusiker?

Till Lindemann. Ich liebe die Musik von Rammstein seit 2001 und bisher hat mich noch kein Album enttäuscht. Aber auch sein Soloprojekt war musikalisch großartig.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Schwere Frage, denn man erwartet hier immer irgendein Hobby. Schreiben ist für mich mehr. Schreiben ist für mich Beruf und Lebenselixier. Und das, was ich am liebsten immerzu tun würde.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Schwarz.

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?

Anne Rice. Ich finde inzwischen zwar längst nicht mehr alles gut, was sie schreibt und ihr Werk ist teilweise durchwachsen, aber das ändert nichts an meiner Liebe zu ihren Büchern. Selbst zu den Büchern, die ich doof fand.

Was verabscheust du am meisten?

Unehrlichkeit. Verrat. Ich bin so pathologisch ehrlich, dass ich nicht mal dann lügen kann, wenn es mir einen Vorteil verschaffen und niemandem schaden würde. Und ich hasse es, wenn ich angelogen werde. Gerade weil mein Umfeld weiß, wie ich drauf bin.

Wie bist du zum schreiben gekommen?

Im Nachhinein schwer zu sagen. Ich glaube, ich habe schon Geschichten erzählt, als ich noch nicht schreiben konnte. Da waren es Bildergeschichten und ich habe beim Blättern erzählt. Sobald man es kann, ist Schreiben aber wesentlich effizienter, um eine Geschichte festzuhalten. Und andere können sie lesen, ohne dass man selbst was erklären muss.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Kann ich nur rückblickend definieren – ich habe aber keine Checkliste. Am Ende muss ich einfach nur “Ja, das war gut” denken, nachdem ich es zugeklappt habe.

Wo liest du am liebsten?

Im Bett oder auf dem Sofa. Aber wenn das nicht geht … Hauptsache, ich kann ein Buch oder ein Smartphone halten.

Hast du ein Lebensmotto?

Nein.

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Mehr Sachbücher als Romane. Vermutlich habe ich so gut wie jedes Buch aus der “Was ist was?”-Reihe gelesen. Egal ob es um Briefmarken, Papageien, das Alte Testament, Schmetterlinge, die olympischen Spiele oder um das All ging. Ich wollte alles wissen, was es zu wissen gibt.

Zwischendurch einige der Klassiker – Ronja Räubertochter, Momo. Ab dem Alter von zehn Jahren dann auch mit “Harry Potter” das erste Mal moderne Fantasyromane.

Welches Buch MUSS man unbedingt gelesen haben?

“Die unendliche Geschichte” von Michael Ende. Ich glaube, mindestens einmal im Leben ist dieses Buch Pflicht. Es ist so viel Wissen und so viel Tiefe darin …

Hast du ein Lieblingsbuch?

Nicht wirklich. Das ist ungefähr so, als müsste ich angeben, ob ich mein rechtes oder mein linkes Auge mehr brauche. Ich habe hunderte von Büchern gelesen und unzählige davon gemocht.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Urlaub?

Nein. Ich habe es mal versucht und herausgekommen ist der Beginn eines Drachenreiter*innenromans auf Englisch.

Wie sieht dein Alltag aus?

Da ich Freiberuflerin bin: Frühstücken, Kleinigkeiten ums Haus erledigen und ab an den Schreibtisch. Dort bleibe ich dann, bis ich das Mittagessen koche. Dann wird gegessen und zurück an den Schreibtisch.

Dienstags mache ich 20:15 schon Schluss und schaue “Doktor Who”, ansonsten kann ich auch schon mal länger arbeiten.

Klingt öde, aber ich liebe es.

Was bringt dich zum lachen?

An manchen Tagen gar nichts so richtig, mein Humor macht gerne mal Feierabend. Und an anderen lache ich dafür über jeden Quatsch und frage mich selbst, was daran bitte witzig sein soll, aber ich klappe fast zusammen.

Welches Hobbie hast du?

Ich zeichne meine Protagonist*innen und spiele gerne alte Gameboyspiele. Neben Pokémon ist mein liebstes Franchise derzeit Star Wars, auch wenn ich leider derzeit in dem einen Spiel dauernd in dem Autofahrlevel hänge und einfach nicht weiterkomme.

Wie siehst du dich in 10 Jahren?

Hoffentlich immer noch in meinem wunderbaren Büro und mit mehr Veröffentlichungen im Bücherregal.

Hier darfst du sagen, was du schon immer einmal sagen wolltest:

Öh … Ich bin bei solchen Fragen immer furchtbar einfallslos. Hi, Mama!

Vervollständige folgende Sätze:

Ich bin süchtig nach

Schokolade.

Ich lese am liebsten Bücher aus dem Genre…

Fantasy.

Ich lese keine Bücher aus dem Genre…

Erotik.

Mein Lieblingsgetränk ist…

Kaffee.

Mein liebstes Liebeslied ist…

Rosenrot (Rammstein)

Ich grusel mich vor…

… mir selbst, wenn ich mal wieder gruselige Dinge in einem Roman oder einer KG geschrieben habe.

Wenn ich ein Geist wäre,…

… würde ich erstmal alle Orte auskundschaften, an denen mich verschlossene Türen so faszinieren. Kirchen, Schlösser …

Wenn ich in einem Buch leben würde, wäre ich...

… vermutlich, je nach Buch, ziemlich schnell tot. Ich habe die Reflexe eines Faultiers, so viel Kraft in den Armen, wie eine Vierjährige und bin auch noch langsamer als besagte Vierjährige. In den Genres, die ich am liebsten lese, wäre ich Kanonenfutter.

Beim schreiben esse ich….

… meist nichts.

Kommen wir nun zum Schreiben

Woher bekommst du die Ideen für deine Romane und Geschichten?

Wenn ich DAS so genau wüsste. Die kommen einfach. Manchmal kann ich tatsächlich eine konkrete Gedankenfolge benennen (ich summe ein Lied beim Wäschezusammenfalten und über drei Umwege wird daraus die Idee für … na, das verrate ich erst, wenn es so weit ist), aber meist habe ich keinen blassen Dunst, wo die verrückten Gedanken alle herkommen.

Wie lange brauchst du für die Herstellung eines eigenen Buches?

Für die Rohfassung meist ungefähr einen Monat pro Buch. Aber meine Bücher sind auch meist eher kurz. Und die Überarbeitung kann dann – im ersten Durchgang – doppelt und dreifach so lange dauern. Im Falle von “Zarin Saltan” vergingen zwischen “Beginn der Rohfassung” und “Veröffentlichung” ungefähr anderthalb Jahre.

Welche Medien durchforstest du vor dem Bücher schreiben?

Falls damit gemeint ist, ob ich vorher Pinterest nach Bildern durchstöbere o.ä. – gar keine. Je nach Thema recherchiere ich ausgiebig im Netz oder in Büchern, aber ich habe keine Routine, die mich in Stimmung bringen soll.

Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?

Je nachdem … Es liegt alles darauf, was ich brauche und ich finde es gemütlich, alles griffbereit zu haben. Aber nach außen hin sieht es aus, wie das pure Chaos. Ich habe zwei Bildschirme – und keine Ahnung, wie ich vorher mit nur einem gearbeitet habe – und irgendwann verbanne ich den Laserdrucker vom Schreibtisch. Dann habe ich mehr Platz zum Ausbreiten.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Hinsetzen, Dokument öffnen. Draufstarren. Feststellen, dass man das Wasser vergessen hat. Aufstehen, zur Küche tigern, Wasser ins Glas füllen. Daran nippen. Feststellen, dass es warm ist – pfui, bäh. Ausgießen, kaltes Wasser eingießen. Loslegen wollen. Feststellen, dass das Schreibprogramm ein Update braucht …

Und irgendwann zwischendurch auch mal schreiben.

Wie machst du auf deine Werke im Web aufmerksam?

Ich habe eine Homepage, eine Seite auf Facebook und bin eine aktive Twitterin. Und auf all diesen Kanälen versuche ich einfach, ich selbst zu sein. Das Internet ist keine Litfaßsäule und niemand reagiert auf “KAUF MEIN BUCH! DA LINK!” mit Begeisterung. Ich ja auch nicht. Also betreibe ich gepflegtes Infotainment und tue nur das, womit ich mich wohlfühle und was mir an Werbeaktionen Spaß macht.

Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?

Die sind alle selbst und ständig. Meine liebste Anekdote in dem Zusammenhang ist immer noch das Schicksal von M. Laut Plot sollte besagte Dame nämlich ihre Fehler einsehen und glücklich heiraten. Stattdessen verwandelt sie sich in ein Monster und zerstört beinahe ihre Heimatstadt, sodass sie in einem epischen Showdown vernichtet werden muss. Ich habe es aufgegeben, zu akribisch zu planen. Die tun eh nie das, was sie sollen …

Welches deiner Bücher magst du besonders?

Da ich erst ein eigenständiges Werk draußen habe, ist es tatsächlich “Zarin Saltan”, aber es ist, als würde man eine Mutter fragen, wer das Lieblingskind ist. Ich könnte auch bei meinen zahlreichen Kurzgeschichten nicht sagen, welche mri die liebste ist.

Wie suchst du passende Passagen für eine Lesung herraus, ohne zu spoilern?

Der Anfang ist schon mal ein guter Anfang. Und dann wird es schwer, weil meine Bücher ja eher kurz sind und auf wenigen Seiten sehr viel zu passieren pflegt. Da läuft es dann meist auf “Romanbeginn + einige Kurzgeschichten” hinaus.

Hast du in deinem Buch einen Lieblingscharakter?

Ich habe ein Herz für Sidekicks – und in “Zarin Saltan” ist der Kurschakov eine Figur mit viel zu wenig Screentime. Ich mag den Kerl sehr gerne.

Identifizierst du dich selbst mit einer deiner Figuren?

Ich könnte sie nicht schreiben, wenn ich nicht zumindest in irgendeiner Weise mich mit ihnen identifizieren würde. Das bedeutet nicht, dass ich mit ihnen identisch bin. Es ist eher ein “Ich weiß, warum du fühlst, wie du fühlst. Ich verstehe, warum du handelst wie du handelst. Auch wenn ich an deiner Stelle (vielleicht) andere Wege gefunden hätte, kann ich nachfühlen, wieso du deinen Weg gewählt hast.”

Dadurch kann ich jede Figur schreiben – solange ich sie nachvollziehen kann. Verliere ich selbst das Verständnis für meine Figur, muss ich an irgendeiner Stelle etwas falsch gemacht haben.

Gibt es reale Personen, die dich zu deinem Figuren inspirieren?

Anfangs gab es das. Aber das ist zehn Jahre her. Inzwischen sind alle Figuren fiktiv.

Hast du eine Lieblingsszene?

Oh ja. Es gibt eine Szene in “Zarin Saltan”, in der ihre Freundinnen versuchen, Anna über die Hochzeitsnacht auszuquetschen. Anna antwortet anders als erwartet und ich liebe es.

Hast du reale Vorbilder für Szenen im Kopf gehabt?

Meist nicht. Aber für die oben genannte Lieblingsszene schon. Sie basiert lose auf einem realen Dialog, der mir von einer Verwandten zugetragen wurde – und das ist einer der Gründe, aus denen ich die Szene so liebe.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Ich habe immer mehrere Projekte in der “Pipeline”. Derzeit schreibe ich aktiv an #Oktoberdampf, einer dystopischen Geschichte mit Dampfmaschinen und sehr kaputter Umwelt. Parallel recherchiere und plotte ich für mein NaNoWriMo-Projekt #7Leben 3 und werde so bald wie möglich mit der Überarbeitung von #Unparallel Band 9 weitermachen.

Hast du auch mal Schreibblockaden, also Tage an denen gar nichts mehr geht?

Ich würde sie nicht Blockaden nennen. Aber da ich als freie Lektorin auch dann viel mit Texten arbeite, wenn ich gerade nicht schreibe, gibt es einfach Tage, an denen nach dem “Brotjob” keine Kraft für den Schreibjob mehr übrig bleibt.

Wann und wo schreibst du?

Am liebsten zwar an meinem Schreibtisch, aber ich kann überall schreiben. Hauptsache, ich kann mindestens eine Hand verwenden und habe entweder ein Smartphone mit Internetanschluss oder Zettel und Stift zur Verfügung. Und wenn ich es darauf anlege, kann ich jederzeit schreiben – außer unter der Dusche. Ich habe schon ganze Kapitel in Bussen, in Hörsälen und in Mensen geschrieben.

Schreibst du einfach drauf los oder recherchierst du erst, planst, legst Notizen an, bevor du zu schreiben beginnst?

Es ist eine Mischung. Eine Geschichte klopft oft monate- oder jahrelang vorher an und in dieser Ideenfindungsphase notiere ich mir Fragmente oder mache erste Recherchen. ALLES kann ich im Voraus gar nicht recherchieren, da ich nie sagen kann, was ich brauchen werde. Aber so einige Dinge gehen eigentlich immer.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt, zu schreiben?

Man braucht zunächst mal das Feuer. Ich schreibe nicht. Es schreibt mich und ich kann mich dem nicht entziehen. Es ist wie eine Sucht – man kann nicht damit aufhören, selbst wenn man eigentlich unmotiviert ist und anderes zu tun hätte.

Klar kann man Handwerk lernen – aber ohne den Funken hilft Handwerk auch nichts. Wir sprechen hier, wie gesagt, nicht von Talent. Ich glaube nicht an Talent, denn als Lektorin kann ich sehen, wie nach einem einzigen Lektoratsdurchgang selbst blutige Anfänger*innen in einem Riesentempo lernen oder erkenne selbst in einem noch so rohen Manuskript noch die Ansätze dessen, was mit ein wenig Arbeit irgendwann ein wundervoller, einzigartiger Stil wird.

Aber man muss was zu sagen haben. Man muss für etwas brennen. Eine Geschichte in den Eingeweiden haben. Sonst kann man “kreatives Schreiben lernen”, bis man schwarz wird und es kommt trotzdem nichts Brauchbares heraus.

Um ehrlich zu sein glaube ich persönlich aber auch nicht, dass man Schreiben “studieren” kann. Die handwerklichen Dinge habe ich mir durch Trial & Error selbst beigebracht, indem ich geschrieben habe, seit ich acht bin. Einen Haufen Fehler gemacht habe, aus denen ich dann gelernt habe. Wer keine eigenen Fehler macht, sondern von Anfang an beigebracht bekommt, wie es – laut Meinung konkreter Dozent*innen – richtig sei, wird früher oder später in einer Sackgasse landen. Schreibseminare, Schreibratgeber und was es alles gibt, KÖNNEN helfen, wenn man zu den Menschen gehört, die auf diese Art des Lernens ansprechen.

Aber viel wichtiger ist es: Schreiben. Fehler machen. Sich gegenseitig Korrektur lesen – einen Fehler, der mir bei anderen auffällt, werde ich niemals wiederholen, sowas brennt sich ins Hirn ein. Ausbessern. Neu anfangen.

Wenn wir nie hinfallen, lernen wir nie, aufzustehen.

Was bedeutet es für dich, Autor zu sein? Womit kämpfst du als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Drei Fragen, über die ich seitenlang schreiben könnte.

Was es für mich bedeutet: Es ist mein Leben. Nicht zu schreiben, ist für mich ungefähr so, als würde ich nicht atmen. Die Geschichten brechen aus mir heraus und wenn ich mal wirklich keine Zeit habe, mich um sie zu kümmern, dann fast schon schmerzhaft und mit Gewalt. Dann sitze ich da und hacke auf die Tastatur ein, weil es raus muss.

Womit ich kämpfe, ist manchmal die Anerkennung. Schreiben ist schön. Aber es kann auch schrecklich sein. Und es ist vor allem harte Arbeit. Rohfassung, Überarbeitung, liegen lassen, Überarbeitung. Wenn es an Verlage soll, dann noch Exposé, Pitch, sowas. Nach einer Schreibsession bin ich zwar glücklich, aber ausgelaugt. Wenn dann Menschen meinen, es wäre ja keine Arbeit, ich würde das ja so mit Links machen … Nö. Ohne Kultur wäre der Mensch nichts – und als Kulturschaffende erwarte ich zumindest, dass man mich nicht mit blöden Sprüchen traktiert und 2,99€ für ein paar vergnügliche Lesestunden nicht für zu teuer hält.

Die Freuden … Kleine Dinge. Als ich heute Mittag das erste Mal einen Print meiner “Zarin” in den Händen hielt, habe ich gequietscht und vor Freude fast geweint. Die Euphorie der Veröffentlichung. All das, was die Strapazen auf dem Weg dorthin gering scheinen lässt.

Was denkst du, ist wichtiger für einen guten Roman: Eine interessante Protagonistin, so dass der Leser mit ihr durch die Geschichte gehen will, oder aber eine packende Geschichte, die ihren eigenen Sog entwickelt?

Es ist beides gleich wichtig. Jetzt mal ehrlich. Wenn eine Protagonistin ungefähr so spannend ist wie ein Bündel Bohnenstroh, kann eine noch so packende Geschichte um sie herum davon auch nicht – oder nur begrenzt – ablenken.

Und die Hauptfigur kann noch so toll sein, wenn der Plot lahm ist, wird mich das Buch trotzdem langweilen.

Weisst du noch, wo und wie du erfahren hast, dass dein Buch veröffentlicht werden soll?

Ja. Sowohl beim SP- als auch beim Verlagsbuch. Da ich “Zarin Saltan” mit der Märchenspinnerei veröffentlicht habe, habe ich das Datum im Verbund mit der Gruppe festgelegt und es dann im internen Planungsdokument mit Datum zu sehen … das hat mich umgehauen. Weil ich auf einmal einen Countdown hatte. Spätestens dann wurde es ernst.

Bei meinem Verlagsbuch habe ich es per E-Mail erfahren, sehr kurze Zeit nach der Anforderung des Gesamtmanuskripts. Mehr darf ich dazu leider noch nicht verraten.

Hast du dich am Erscheinungstag in den nächsten Buchladen gestürzt um zu sehen, wie es dort präsentiert wird?

Als SP- und Kleinverlagsautorin ist die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering. Aber ich habe die Onlineshops abgeklappert.

Ist eine Erscheinungstermin eines Buches genauso aufregend wie die Geburt eines Kindes, ist ja auch irgendwie ein Baby ?

Ich habe noch keine eigenen Kinder, daher kann ich das nicht vergleichen. Bin mal gespannt, ob ein Baby genauso aufregend ist, wie ein Buch! 😀

Wer darf als erstes dein Manuskripte testlesen?

Wer zuerst kommt. Ich habe einen kleinen Pool aus Stammbetaleser*innen und hoffe, jemand von ihnen hat Zeit.

Wie viele Bücher hast du schon insgesamt geschrieben, wenn auch nicht veröffentlicht?

17. Falls ich mich nicht verzählt habe. Mal grübeln.

Verlagsbuch.

Unparallel 1-9.

#Musiker

#Steellily

#7 Leben 1 & 2

Zarin Saltan natürlich.

Irgendwas habe ich vergessen, da war doch noch mehr, aber ich komme gerade nicht darauf. Schande über mich.

Hast du Mitspracherecht bei den Covern deiner Bücher?

Bei meinem SP-Cover habe ich die Designerin sehr genau gebrieft und die Stockfotos gestellt. Beim Verlagsbuch hätte ich vermutlich Mitspracherecht gehabt – aber ich war so begeistert vom ersten Entwurf des Verlags, dass ich es nicht genutzt habe. Das, was sie mir gezeigt haben, ist einfach nur perfekt.

Wie hat deine Familie und dein Umfeld reagiert als du das Schreiben von Büchern angefangen hast?

Da ich mit 11 meinen ersten Romanentwurf schrieb: “Aber wehe, du vernachlässigst darüber die Schule!” Ich glaube, sie sind daran gewöhnt, man kennt mich ja fast nicht mehr ohne Buch.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war als dein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde?

Ja, ziemlich gut. So vom Datum her war das um Weihnachten herum und ich lief im Pyjama mit dem Handy durch die Wohnung und habe die Mail allen unter die Nase gehalten.

Wann kam erstmals der Wunsch auf, ein Buch schreiben zu wollen?

Mit zehn oder elf. Ich kann mich aber leider nicht mehr erinnern, wieso eigentlich. Dafür ist es leider zu lange her.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinem Buch?

Kuchen. Wie sollte sie gegen Kuchen ankommen?

Danke für das Interview, das Ausfüllen hat Spaß gemacht <3

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1 Kommentar

  1. Hallo und guten Tag,

    Danke für diesen tollen Einblick in das Leben und Wirken dieser Autorin…von ihr habe die Märchengeschichte schon gelesen.

    LG..Karin…

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