Quasselwolke: Autorin Kathrin Lange

Heute stellen wir euch die Autorin Kathrin Lange vor, sie ist auf die Quasselwolke gestiegen und hat sich unseren Fragen gestellt.

Zu deiner Person:

Wer bist du? Wie würdest du deine Biographie erzählen?

Mein Name ist Kathrin Lange. Ich bin Schriftstellerin so lange ich denken kann. Und das ist so ziemlich das Wesentliche.

Wenn du dich mit 3 Worten beschreiben müsstest, welche wären das?

Kreative, chaotische Buchliebhaberin.

Welches Sternzeichen bist du?

Widder

Welchen Fehler entschuldigst du am ehsten?

Ungeduld

Wer ist dein liebster Romanheld?

Aktuell Sean Duffy von Adrian McKinty.

Wer ist dein Lieblingsheldinnen/ -helden in der Wirklichkeit?

Alle Frauen, die darauf hinweisen, dass nicht nur nach dem Lieblingshelden gefragt wird, sondern auch nach der Lieblingsheldin. 😉

Wer ist dein Lieblingsmusiker?

Keine Ahnung. Ich höre im Moment viel Metal, weil ich mich auf den nächsten Faris Iskander-Roman vorbereite, und da aktuell eine ganz unbekannte Newcomerband namens Proxillian.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Schreiben. Und Lesen.

Was ist deine Lieblingsfarbe?

Blau.

Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?

Robert B. Parker.

Meine Lieblingsschriftstellerin ist Lyndsay Faye.

Was verabscheust du am meisten?

Unmenschlichkeit.

Welche natürliche Gabe möchtest du besitzen?

Marathonlaufen.

Wie bist du zum schreiben gekommen?

Schon früh, mit ca. 14 oder 15. Ich habe schon immer gern Geschichten erzählt, und in diesem Alter habe ich angefangen, sie auch aufzuschreiben.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

„Ein Buch, das kein Loch in die Realität reißt, ist verlorene Liebesmüh.“

Das stammt leider nicht von mir.

Wo liest du am liebsten?

Das ist mir völlig egal, weil ich beim Lesen die Welt um mich herum zuverlässig völlig vergesse.

Hast du ein Lebensmotto?

„Sei dir selbst ein Licht.“ Das stammt von Buddha und bedeutet im übertragenen Sinne: „Stell alles infrage“.

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Eine sehr unbekannte Reihe von einem niederländischen Kinderbuchautor: Dick Laan, Pünkelchen. Die habe ich geliebt, weil die Hauptfigur darin mit Tieren reden kann.

Welches Buch MUSS man unbedingt gelesen haben?

Meine! Nein, im Ernst: Die Frage lässt sich doch nur individuell beantworten. Ich persönlich finde, dass man manche Klassiker kennen sollte: Lessings, Nathan der Weise, Goethes Faust, solche Sachen.

Hast du ein Lieblingsbuch?

Dutzende. Und immer wieder andere.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Urlaub?

Ich habe es jedenfalls extrem selten, weil mein Kopf sich nicht so einfach abschalten lässt.

Wie sieht dein Alltag aus?

Aufstehen. Schreiben. Schlafengehen. Und das Leben, das dazwischen auch noch stattfindet, so gut wie möglich im Griff behalten.

Was bringt dich zum lachen?

Missgeschicke. Ich bin ein schlechter Mensch, ich weiß, aber so ist es nunmal. Zu meiner Verteidigung: Über meine eigenen Missgeschicke kann ich am meisten lachen.

Welches Hobbie hast du?

Lesen. Leider ist es so unspektakulär, ich kann es nicht ändern. Ab und an gehe ich laufen oder mit dem Hund durch die Natur.

Wie siehst du dich in 10 Jahren?

Hm. Schwierig. Hoffentlich immer noch mit Begeisterung vor der Tastatur.

Hier darfst du sagen, was du schon immer einmal sagen wolltest:

„Ein Buch, das kein Loch in die Realität reißt, ist verlorene Liebesmüh.“ 😉

Vervollständige folgende Sätze:

Ich bin süchtig nach

Büchern. Und Kaffee.

Ich lese am liebsten Bücher aus dem Genre…

Krimi/Thriller

Ich lese keine Bücher aus dem Genre…

Ich lese alles. Wenn es mich interessiert.

Mein Lieblingsgetränk ist…

Kaffee.

Mein liebstes Liebeslied ist…

„Ira’s Song“ von Helloween. Richtig heißt das Lied allerdings „Hold me in your arms“, aber ich verbinde es zuverlässig mit Ira Jenssen aus den Faris Iskander-Romanen.

Ich grusel mich vor…

Spucke. Mir zieht es schon die Kehle zusammen, wenn ich das Wort nur schreibe. Brrr.

Wenn ich ein Geist wäre,…

Wäre ich die Frau im roten Kleid aus „Herz aus Glas“, Madeleine, nicht Charlie.

Wenn ich in einem Buch leben würde, wäre ich...

Keine Ahnung. Es gibt so viele Charaktere, die ich gern einmal wäre. Und dann wieder auch nicht, weil ja die meisten Charaktere in ihren Geschichten ziemlich viel durchmachen müssen.

Beim schreiben esse ich….

Nichts.

Kommen wir nun zum Schreiben

Woher bekommst du die Ideen für deine Romane und Geschichten?

Aus der Zeitung, aus dem realen Leben. Aus irgendwelchen ominösen Untiefen meines eigenen Unterbewusstseins.

Wie lange brauchst du für die Herstellung eines eigenen Buches?

Ist mit „Herstellung“ der Schreibprozess gemeint? Dann zwischen einem halben und zwei Jahren, je nach Titel. „Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen“ hat zwei Jahre gedauert, „Schatteflügel“, mein erfolgreichster Jugendthriller, nur ein paar Monate.

Welche Medien durchforstest du vor dem Bücher schreiben?

Bücher. Internet. Zeitungen und Zeitschriften.

Wie gemütlich ist dein Schreibtisch eingerichtet?

Ich bin zu chaotisch, um es längerfristig gemütlich zu haben. Irgendwie explodiert um mich herum immer alles in unaufgeräumtem Chaos.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Keine Ahnung. Aber meiner besteht ungefähr zu gleichen Teilen aus Schreiben und dem Organisieren von Lesereisen, Seminaren und Workshops. Dann gebe ich noch Interviews, bespiele meine Social Media-Kanäle und kümmere mich ehrenamtlich um die Website der Initiative autorenhelfen.org.

Wie machst du auf deine Werke im Web aufmerksam?

Ich bin auf FB, Twitter und Instagram, aber ich poste dort oft Dinge, die eigentlich gar nichts mit meinen Büchern zu tun haben.

Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich ein Charakter auch mal?

Letzteres. Ständig. Und das ist auch gut so, finde ich. Nur wenn mich meine Charaktere überraschen, überraschen sie am Ende auch meine LeserInnen.

Welches deiner Bücher magst du besonders?

Bei den Erwachsenenbüchern „Ohne Ausweg“, weil es mich beim Schreiben unendlich herausgefordert hat, und bei den Jugendbüchern „Schattenflügel“, genau aus dem gegenteiligen Grund, weil es sich ganz leicht geschrieben hat. Beides sehr wichtige Erfahrungen, finde ich.

Wie suchst du passende Passagen für eine Lesung herraus, ohne zu spoilern?

Manchmal ist das tatsächlich schwierig. Ich lese meistens aus dem ersten Drittel, und wenn ich doch einmal Passagen von weiter hinten habe, dann kürze ich sie vorab zusammen, damit das nicht passiert.

Hast du in ideinem Buch einen Lieblingscharakter?

Ira Jenssen. Ganz klar.

Bei den Fabelmacht-Chroniken ist es natürlich Nicholas. Mein Verlag hat ihn „einen Helden zum Niederknien“ genannt, und das finde ich auch. Er hat mehr Tiefe als viel andere Jugendbuchhelden, finde ich jedenfalls, und das gefällt mir.

Identifizierst du dich selbst mit einen deiner Figuren?

Ja. Das ist dann auch wieder Ira. Einfach weil in ihr so vieles von mir selbst steckt. Sie ist, glaube ich, diejenige von meinen Figuren, in der ich am meisten Autobiografisches verarbeitet habe, weniger in ihrem Lebenslauf, als in ihren Gefühlen, Gedanken und Meinungen.

Gibt es reale Personen, die dich zu deinem Figuren inspirieren?

Meistens nur in Details, was z.B. das Aussehen oder einen speziellen Charakterzug angeht. Im Moment zum Beispiel habe ich mit jemandem zu tun, der vor lauter Begeisterungsfähigkeit für manche Dinge unfassbar arrogant rüberkommt. Der meint das nicht so, fährt einem aber ständig über den Mund deswegen und merkt es meist nicht. Das finde ich sehr spannend, und eine meiner Figuren wird diesen Wesenszug demnächst auch bekommen. (Und jetzt dürfen alle, die mich kennen und mir öfter begegnen, grübeln, ob sie gemeint sind … )

Hast du eine Lieblingsszene?

Aus meinen eigenen Büchern? Dann wäre es vielleicht die aus „40 Stunden“, in der Faris mit seinem Chef Tromsdorff redet und der versucht, ihm die Waffe abzunehmen, weil er Angst hat, dass Faris sich eine Kugel in den Kopf jagt. Diese Szene ist aus Iras Sicht geschildert und ich erinnere mich daran, wie intensiv ich sie beim Schreiben empfunden habe.

Hast du reale Vorbilder für Szenen im Kopf gehabt?

Fast nie, zum Glück. Aber mein Leben ist eben auch kein Krimi.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

An einem kleinen Prequel zu den „Fabelmacht-Chroniken“: Nicholas’ Geschichte. Die wollen so viele Fans gern lesen, dass der Arena Verlag und ich uns entschieden haben, sie tatsächlich als E-Book-Only zu veröffentlichen.

Hast du auch mal Schreibblockaden, also Tage an denen gar nichts mehr geht?

Klar. Die hat vermutlich jeder, oder?

Wann und wo schreibst du?

Immer und überall, da ich viel unterwegs bin. Dieses Interview hier habe ich zum Beispiel im Hotel auf dem Bett sitzend geschrieben, aber ich überarbeite es jetzt gerade zu Hause am Küchentisch in der Nähe der Kaffeemaschine. Was mich daran erinnert, dass ich mir vor einer halben Stunde einen Kaffee gemacht und ihn dann völlig vergessen habe. Soviel zum Thema chaotische Autorin.

Schreibst du einfach drauf los oder recherchierst du erst, planst, legst Notizen an, bevor du zu schreiben beginnst?

Ich sammele immer erst Notizen, bis ich so viele zusammen habe, dass eine Art „kritische Masse“ erreicht ist, die dann die Geschichte „zündet“. Das kann bei manchen Büchern schonmal Jahre dauern, manchmal geht es aber auch ganz schnell, wie z.B. bei „Schattenflügel“.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie hast du gelernt, zu schreiben?

Einen Teil dessen, was einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin ausmacht, kann man lernen, das ist das Handwerk. Und das lehre ich selbst ja auch. Aber zum Schriftstellersein gehört noch mehr: das Talent, eine gute Geschichte zu erfinden. Eine Sprache, die mehr ist als nur leere Worte auf Papier oder dem Bildschirm. Und, nicht zu unterschätzen: ein gerüttelt Maß an Hartnäckigkeit, auch dann noch weiterzuschreiben, wenn die Welt um einen herum das Geschriebene nicht lesen will.

Was bedeutet es für dich, Autor zu sein? Womit kämpfst du als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Als Schriftstellerin kämpfe ich zu allererst immer wieder mit Selbstzweifeln. Jedes Buch, das ich beginne, bereitet mir Magenschmerzen, weil ich fürchte, dass ich es nicht in den Griff bekomme. Das ist aber auch gut so, denn ich möchte niemals jemand sein, der alles weiß und kann, was man in Bezug auf das eigene Schreiben wissen und können kann. Wenn dieser Punkt erreicht wäre, wenn ich also ein Buch anfangen würde mit dem Gefühl, dass es diesmal ganz einfach ist, dann würde ich wohl aufhören zu schreiben.

Was denkst du, ist wichtiger für einen guten Roman: Eine interessante Protagonistin, so dass der Leser mit ihr durch die Geschichte gehen will, oder aber eine packende Geschichte, die ihren eigenen Sog entwickelt?

Beides geht doch Hand in Hand, oder? Allerdings stelle ich beim Lesen immer wieder fest, dass mich die Romane mehr fesseln und auch länger in meinem Gedächtnis bleiben, die einen faszinierenden Protagonisten oder eine faszinierende Protagonistin haben. Es kommt häufiger vor, dass ich noch weiß, was deren Probleme waren, als dass ich mich an die Handlung des Romans erinnern kann. Also vielleicht doch eher eine interessante Hauptfigur.

Weisst du noch, wo und wie du erfahren hast, dass dein Buch veröffentlicht werden soll?

Sehr genau! Ich hatte einen Anruf von meinem Literaturagenten auf dem AB: „Liebe Frau Lange, rufen Sie mich bitte unbedingt so schnell wie möglich an, ich habe ganz tolle Neuigkeiten. Ich bin heute noch bis 17 Uhr erreichbar, morgen leider erst ab 12.“

Ich saß an meinem Schreibtisch und habe diesen Anruf abgehört. Am nächsten Morgen gegen sieben. Fünf lange, qualvolle Stunden lagen vor mir.

Hast du dich am Erscheinungstag in den nächsten Buchladen gestürzt um zu sehen, wie es dort präsentiert wird?

Nein! Weil ich aus der Branche komme und wusste, dass es sehr gut sein kann, dass das Buch dort überhaupt nicht liegt, weil der Buchhändler oder die Buchhändlerin es schlicht nicht eingekauft hat. Ich mache das übrigens auch heute noch nicht, wenn ich irgendwo unterwegs bin und in eine Buchhandlung gehe. Ich schaue mir viel lieber an, was meine KollegInnen gerade neues herausgebracht haben.

Ist eine Erscheinungstermin eines Buches genauso aufregend wie die Geburt eines Kindes, ist ja auch irgendwie ein Baby ?

Ein Kind auf die Welt zu bringen ist definitiv schmerzhafter, als den Karton mit den Belegexemplaren aufzumachen. Aber im Ernst: Es ist natürlich aufregend. Jedesmal wieder. Aber mit der Geburt des eigenen Kindes ist es doch nicht zu vergleichen, weil die Verantwortung für so ein kleines Wesen, die man plötzlich spürt, nicht da ist. Wenn ein Buch erscheint, hat man als Autorin ja das Meiste dafür getan, dass es gut wird, und muss jetzt abwarten, wie es sich entwickelt.

Wer darf als erstes dein Manuskripte testlesen?

Mein Mann. Und ein guter Freund. Beide gleichzeitig. Und dann diskutieren wir, wer von beiden Recht hat mit seiner Kritik. Manchmal ignoriere ich sie auch beide.

Wie viele Bücher hast du schon insgesamt geschrieben, wenn auch nicht veröffentlicht?

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht genau. Ich habe etliches in der Schublade, u.a. einen komplett fertigen Fantasy-Jugendroman mit Drachen, mehrere Krimis (die ich vermutlich selbst nicht noch einmal in meinem Leben anschauen werde) und einen ziemlich mächtigen Highfantasy-Roman, bei dem ich im Moment tatsächlich mit dem Gedanken spiele, ihn hervorzuholen und umzuarbeiten, weil er mich plötzlich wieder piekt.

Hast du Mitspracherecht bei den Covern deiner Bücher?

Beim Arena Verlag ja, worüber ich sehr glücklich bin. Allerdings geht es dort meistens um Details, die grundsätzliche Ausrichtung, wie das Cover aussehen soll, steht meistens schon fest, wenn ich die Entwürfe zu sehen bekomme.

Wie hat deine Familie und dein Umfeld reagiert als du das Schreiben von Büchern angefangen hast?

Meine Familie hat das zuerst nicht ernst genommen, was aber vermutlich auch verständlich ist. Erst als ich jahrelang immer weiter geschrieben – und schließlich auch erfolgreich veröffentlicht habe, wurde das anders.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie es war als dein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde?

Sehr genau. Klar. Es war ein tolles Gefühl, so, als könne man plötzlich die Welt aus den Angeln heben. Aber das war auch schnell wieder vorbei, nämlich genau dann, als ich gemerkt habe, dass die Welt sich völlig unbeeindruckt davon weiterdreht. Dass unsere Tageszeitung sehr deutliches Desinteresse an meinem Debüt signalisierte, hat mich recht schnell auf den Boden der Realität geholt. Zum Glück, denke ich heute. So haben sie wenigstens nicht den üblichen „Hausfrau schreibt Roman“-Quatsch veröffentlicht.

Wann kam erstmals der Wunsch auf, ein Buch schreiben zu wollen?

Mit vierzehn. Ich habe das dann auch recht bald umgesetzt und einen Pferderoman geschrieben, der neben Drachenroman und all dem anderen Kram ebenfalls in der Schublade liegt. Pferderoman! Ich muss gerade selbst schmunzeln.

Hast du ein Lieblingszitat aus deinem Buch?

Tja“, sagte Nicholas trocken. „Fang schonmal an, dir zu überlegen, was an mir Gutes war, damit du auf meiner Beerdigung die Grabrede halten kannst.“

Das stammt aus „Die Fabelmacht-Chroniken, Flammende Zeichen“.

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Bild: Pixabay / Gimp / Svenja Glaser

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